Sankt Augustin, 12.03.2026

Stellungnahme zur geplanten Einführung eines Social-Media-Verbots ab 14 Jahren

Die Nutzung sozialer Medien erst ab einem Alter von 14 Jahren zu gestatten, stellt einen notwendigen Schritt zum Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen dar.

Die aktuelle Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, die Nutzung sozialer Medien erst ab einem Alter von 14 Jahren zu gestatten, stellt einen notwendigen Schritt zum Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen dar. Wir unterstützen dieses Vorhaben ausdrücklich, da die Risiken durch Algorithmen, Suchtpotenziale und Cybermobbing in dieser sensiblen Entwicklungsphase oft unterschätzt werden. Ein gesetzliches Verbot allein kann jedoch nur das Fundament bilden; entscheidend für den Erfolg ist eine durchdachte technische und pädagogische Gesamtstrategie, die den Datenschutz wahrt und die Medienkompetenz nachhaltig stärkt.

Ein zentraler Punkt unserer Position ist die Ablehnung einer Identifikationspflicht mittels eID direkt gegenüber den Plattformbetreibern. Eine Anmeldung per Personalausweis bei Anbietern wie TikTok oder Meta würde die Anonymität im Netz zerstören und Nutzer dazu zwingen, sensible Identitätsdaten preiszugeben. Dies ist besonders kritisch zu bewerten, da soziale Netzwerke in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel erfolgreicher Hackerangriffe wurden, bei denen Millionen von Nutzerdaten entwendet wurden. Zudem muss der Schutz der Anonymität für den Austausch über sensible Themen wie Krankheiten, Schwangerschaften oder schulische Probleme gewahrt bleiben. Wir fordern daher technische Lösungen, die lediglich das Alter verifizieren, ohne personenbezogene Daten an die Konzerne zu übermitteln oder die Datenhoheit der Bürger zu gefährden. Eine technische Möglichkeit wäre die Identifikation mittels E-Personalausweis auf einer staatlichen Plattform, die lediglich einen Altersschlüssel generiert, mit dem man sich einmalig bei einer Social-Media-Plattform anmelden kann.

Da technische Sperren durch Hilfsmittel wie VPN-Dienste niemals lückenlos sein werden, muss das Verbot zwingend durch eine massive Bildungsoffensive in den Schulen begleitet werden. Ziel muss es sein, Kinder frühzeitig und verantwortungsvoll an die digitale Welt heranzuführen, damit es mit dem Erreichen des 14. Lebensjahres nicht zu einer unkontrollierten Überdosierung kommt. Da das Lehrpersonal bereits stark belastet ist, fordern wir die Bereitstellung finanzieller Mittel für externes Fachpersonal, dass die Medienkunde professionell in den Schulalltag integriert. Die Kosten für diese Präventionsarbeit sind weitaus geringer als die gesellschaftlichen und medizinischen Folgekosten für die Behandlung von Jugendlichen, die durch Cybermobbing oder Mediensucht erkranken.

Ergänzend befürworten wir den Einsatz von Medien-Scouts, um den direkten Zugang der Jugendlichen untereinander zu nutzen, betonen jedoch, dass die pädagogische Verantwortung nicht zur Kosteneinsparung an Schüler abgegeben werden darf. Eine weitere Möglichkeit wäre die Schaffung einer Schulplattform, die keine Verbindung nach außen hat und vom o.g. Fachpersonal oder den Medienscouts moderiert und überwacht wird. Damit können die Kinder den Umgang mit sozialen Medien in einer geschützten und sicheren Umgebung üben. Ebenso sehen wir die Eltern in der Pflicht, das Verbot nicht durch das Anlegen von Fake-Accounts für ihre Kinder zu unterwandern. Letztlich müssen die Plattformbetreiber stärker in die Haftung genommen werden, um wirksame Schutzbarrieren gegen die Nutzung durch Minderjährige zu errichten. Nur durch dieses Zusammenspiel aus gesetzlichem Schutzraum, technischer Datensicherheit und qualifizierter Bildung kann das Vorhaben der Landesregierung dauerhaft zum Wohle der Kinder erfolgreich sein.

Für den Vorstand

Torsten Hemkemeier, Hinrich Pich