Sankt Augustin, 22.03.2026
Stiefkind Mobilität in der Bildung -- Wir fordern das Bildungsticket für den ÖPNV!
Die unterzeichnenden Verbände fordern kostenlose Beförderung zur Schule
Seit Jahren setzen sich die unterzeichnenden Verbände für die Einführung eines kostenlosen Bildungstickets im öffentlichen Nahverkehr für alle Schülerinnen und Schüler in NRW ein. Das Ziel ist mehr Chancengleichheit in der Bildung zu schaffen und zugleich den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Die Vorgaben im Schulrecht für ein vergünstigtes Ticket sind aber an ungerechte Bedingungen geknüpft: Entfernung Fußweg zur nächsten Schule der Schulform. Diese Regelung bedeutet alles oder nichts. Die Entfernung, und damit auch das Problem, erweitert sich jeweils mit dem Wechsel zur nächsten Schulstufe. Unberücksichtigt von der finanziellen Situation der Familien oder der Anzahl der minderjährigen Familienangehörigen, hängt ihre Mobilität daher von der richtigen Entfernung ab. Jeder Meter zu wenig kann bedeuten, dass ein Straßenzug Familien davon trennt eine Vergünstigung zu erhalten oder eben nichts. Da die Tickets in NRW aber nicht nur den Schulweg abbilden, sondern Bezugsberechtigten eine NRW-weite Nutzung ermöglichen, sind die Abgehängten doppelt benachteiligt. Die aktuelle dramatische Inflation und drohende Rezession, bringt Familien, die ihren Kindern bisher das Selbstzahler-Ticket noch irgendwie finanzieren konnten, in schwere Notlagen. Besser gestellte Familien können diesen Nachteil vielleicht noch überwinden. Alle anderen bleiben im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke.
Dass es auch anders gehen kann, zeigen nicht nur große Städte wie Rostock, sondern auch kleine Kommunen wie Sankt Augustin in NRW. Hier bekommen alle Schüler:innen ein vergünstigtes Deutschlandticket. Das ist ein Anfangsmodell, das sich die unterzeichnenden Verbände für alle Schüler:innen in NRW wünschen. Politisch wird dies aber immer wieder abgewiegelt, weil die Verkehrsbetriebe die Machbarkeit anzweifeln. Sie fürchten, dass die Kapazitäten nicht reichen würden und die Kosten zu hoch wären. Besonders absurd, weil die kommunalen- und Landesverkehrsbetriebe ohnehin nicht unerheblich von Land und Kommunen subventioniert werden.
Das 9 Euro Ticket hatte verdeutlicht, dass es keineswegs zu einer Überlastung im Regelfall kommt. Es hat vielmehr unterstrichen, dass vielen Kindern dadurch auch die Teilhabe an Ferienaktivitäten und anderen Bildungsangeboten ermöglicht wurde. Auch Kinder, die eine Förderschule besuchen und auf den Schülerspezialverkehr angewiesen sind, können in den Ferien und außerhalb der Schulzeit vom eigenen Ticket profitieren. Dieses Ticket soll den Bedarf an Schülerspezialverkehr oder notwendiger Assistenz im öffentlichen Nahverkehr nicht verringern, sondern sinnvoll ergänzen.
Natürlich erlaubt es den Familien auch eine größere außerschulische Nutzung, aber erlaubt auch den Schulen mehr Flexibilität für außerschulische Angebotsnutzung, wenn alle Kinder eine eigene Mobilität im ÖPNV hätten. Der größte Fehler bei der Absage eines kostenlosen Schülertickets ist, dass wieder einmal nach dem Grundsatz entschieden wird: Alles oder Nichts! Ohne alternative Modelle für attraktive Teillösungen, die auch den Klimaschutz im Blick hätten. Somit haben wieder einmal kinderreiche oder finanziell benachteiligte Familien das Nachsehen.
Würde man alle Schüler:innen, die in NRW zur Schule gehen, den ÖPNV kostenlos nutzen lassen, könnten Kommunen und Verkehrsbetriebe sogar Kosten zur Überprüfung der Berechtigung und Fahrscheinkontrolle einsparen. Vielleicht langfristig auch Emission und weniger Folgeschäden verringern. Vergeblich vermissen die unterzeichnenden Verbände die notwendigen politischen Diskussionen im Land und in den Kommunen. Die Forderung der jetzigen Schülergeneration nach mehr Gerechtigkeit und auch nach mehr Klimaschutz dürfen daher nicht länger ignoriert werden. Die heute verantwortliche Generation hinterlässt den Kindern schon zu viele Scherben. Da wäre es nur mehr als fair, die Kinder wenigstens dafür zu wappnen, die Breite der Bildungsvielfalt unabhängig der Liquidität ihrer Familien oder der Kommunen nutzen zu können, um die zukünftigen Herausforderungen bewältigen zu können.
Lieber Herr Ministerpräsident Wüst, das wäre eine der wichtigsten Investitionen für eine gute Zukunft, die wir in Ihrer Regierungserklärung und -politik bisher kläglich vermisst haben. Das kostenfreie Schülerticket für alle Kinder – mit einem Mehrwert für alle Familien und Schulen! Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit!
Die unterzeichnenden Verbände:
| Person | Verband | Logo |
|---|---|---|
| Andreas Tempel | (Vorsitzender) Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule– Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V. (GGG NRW e.V.) | |
| Henrich Berkhoff | (Vorsitzender) Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen – Der Inklusionsfachverband e.V. (GL NRW) | ![]() |
| Andrea Honecker | (Vorsitzende) Katholische Elternschaft Deutschland | |
| in NRW (KED NRW e.V) | ||
| Hinrich Pich | (Vorsitzender) Landeselternkonferenz NRW (LEK NRW) | ![]() |
| Dr. Sylvie Jantze | (Vorsitzende) Landeselternschaft der Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung und Motorische Entwicklung in NRW e.V. | |
| Dr. Oliver Ziehm | (Vorsitzender) Landeselternschaft der Gymnasien e.V. | |
| Ismail Sömnez | (Vorstand) Landeselternschaft der Realschulen in NRW e.V. (LERS NRW e.V.) | |
| Harald A. Amelang | (Vorsitzender) Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW e.V | |
| Tine Grote | (Vorsitzende) Progressiver Eltern- und Erzieher*innen-Verband NRW e.V. | |
| Erol Celik | (Vorsitzende) Elternnetzwerk NRW Integration miteinander e.V. | |
| Bettina Altenhoff-Röhl | 1. Sprecherin des Bildungspolitischen Landesverband der DGhK in NRW e.V. |
