NRW, 01.12.2020
Weihnachts newsletter dezember 2020 ef
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften c/o Stadteltern Dortmund Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund Mobil: 0157-36583728 Email: vorstand@lek-nrw.de Homepage: www.lek-nrw.de
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WEIHNACHTS- NEWSLETTER- DEZEMBER 2020 Liebe Eltern der Kreis- und Stadtschulpflegschaften aus NRW, liebe Schulleitungen, Lehrkräfte, Schülerinnen und Bildungsinteressierte in NRW, sehr geehrte Damen und sehr geehrte Herren! Weihnachten - still, friedvoll, fröhlich, besinnlich und hoffnungsvoll? Corona-bedingt wird dies wohl nur stark eingeschränkt möglich sein. Doch uns bleibt die Hoffnung auf das nächste Weihnachtsfest, welches vielleicht im gewohnten Rahmen stattfinden kann. Aber es bleibt auch die Hoffnung, dass wir im kommenden Jahr nicht an Altem festhalten, sondern neue Wege für mehr Bildungsgerechtigkeit gehen. Was wünschen wir uns zu Weihnachten? Bildung, Förderung und Betreuung unserer Kinder müssen gewährleistet sein, Schülerinnen mit Förderbedarf oder Behinderung müssen die notwendige Unterstützung und schulische wie häusliche Hilfen bekommen, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit müssen ermöglicht werden.
Harter Lockdown ab 16.12.2020 bundesweit
Die Entscheidung der Bundeskanzlerin und Ministerpräsidentinnen vom 13.12.2020, einen harten
Lockdown ab dem 16.12.2020 zu verhängen, zeichnete sich schon in den letzten Wochen ab: Die
Zahlen der Infizierten und der in Zusammenhang mit Corona Gestorbenen stiegen und steigen
kontinuierlich an.
„SCHUSS VOR DEN BUG“, haben wir unsere letzte Pressemitteilung betitelt. Wir hätten aber auch
schreiben können: „REICHT DER EINSCHLAG, dass wir nun bereit sind, Wissenschaft und Medizin zu
glauben oder muss erst jeder selbst betroffen sein?“. Wir als Elternverband haben schon einmal
betont, dass wir nicht beurteilen können, welche der wissenschaftlichen Erkenntnisse die
bahnbrechenden seinen werden. Doch wir tun gut daran, die derzeitigen Empfehlungen ernst zu
nehmen. Gerade deshalb darf es auch keine Ausnahme für Schule geben. Denn solange wir nicht
absolut sicher sein können, dass Kinder keine asymptomatischen Überträger oder auch Treiber sein
können, sollte auch das Risiko einer Verbreitung durch Schulen als Drehscheibe minimiert werden.
Deshalb dürfen auch andere mechanische Schutzmittel kein Tabu sein, um den Schutz zu verstärken,
sowie sie bereits im Landtag, in Gerichten und vielen anderen Behörden erprobt werden.
Nun tritt das Unvermeidliche ein. Ein weiterer Lockdown, und für die Schulen und Kitas werden
entsprechende Regeln beschlossen. „Daher werden in diesem Zeitraum (16. Dezember 2020 bis 10.
Januar 2021) die Schulen grundsätzlich geschlossen oder die Präsenzpflicht wird ausgesetzt. Es wird
eine Notfallbetreuung sichergestellt und Distanzlernen angeboten. Für Abschlussklassen können
gesonderte Regelungen vorgesehen werden.“ (Aus dem Beschluss der Bundesregierung und
Ministerpräsidentinnen vom 13.12.2020)
Der NRW-Weg Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften c/o Stadteltern Dortmund Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund Mobil: 0157-36583728 Email: vorstand@lek-nrw.de Homepage: www.lek-nrw.de
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NRW wählt anstatt Schließung der Schulen einen „weicheren“ Weg: Aufhebung der Präsenzpflicht für
die Jahrgänge 1-7 und Distanzunterricht für die anderen Jahrgänge. An den Randbereichen vor und
nach den Weihnachtsferien findet kein Unterricht statt. Klassenarbeiten und Klausuren sollen aber
geschrieben werden können, falls es nicht anders möglich ist. Für Schülerinnen und Schüler mit
einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung, der eine besondere Betreuung erfordert, muss
diese in Absprache mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten sichergestellt werden.
(Schulmail vom 11.12.2020)
Die Entscheidung kam überraschend vor der Bund-Länderkonferenz und bedeutet eine Abkehr von
der bisherigen harten Linie des Schulministeriums, nur auf Präsenzunterricht zu setzen und jegliche
andere Modelle zu verbieten. Hätte es aber alternative Modelle gegeben, dann wäre auch jetzt ein
Präsenzanteil möglich, zumal viele Schülerinnen auf Betreuung und Förderung angewiesen sind.
Zudem wurde die Entscheidung am Freitagmittag, 10.12.20 getroffen, sodass die Schulen die
Schülerinnen nicht direkt informieren und ihnen keine Arbeitsmaterialien oder digitale Endgeräte
mitgegeben werden konnten. Auch wenn diese inzwischen mitunter plötzliche
Kommunikationspolitik wieder für Verwirrung bei Schulen und Eltern gesorgt hat, waren einige
Schulen gut vorbereitet und haben inzwischen das Planungsdefizit eingeplant, aber andere hat es kalt
erwischt. Als Eltern sind wir dankbar, dass es immer noch Lehrkräfte gibt, die nicht aufgeben, doch
trotzdem machen wir uns Sorgen, wie es wohl gelingt junge Menschen noch für diesen Beruf zu
gewinnen. Dafür muss sich an Schule viel verändern.
Was fehlt bei den Beschlüssen?
Sowohl der gemeinsame Beschluss des Bundes und der Länder sowie die NRW-Regelungen zu dem
Bereich sind einfach formuliert und blenden alle Herausforderungen aus, denen sich Schulen,
Schülerinnen, Lehrerinnen, Eltern und weitere Bildungsakteure stellen müssen. Zudem wird keine
Perspektive für die Zeit nach dem 10. Januar 2021 aufgezeigt. Es ist eigentlich jedem klar, dass trotz
Impfungen das nächste Jahr von der Corona-Krise und Schutzmaßnahmen gegen das Virus geprägt
sein wird und wir alles dafür tun müssen, dass keine dritte Welle beginnt.
Doch es steht zu befürchten, dass von Seiten des NRW Schulministeriums die zweite Hälfte des
Schuljahres weiterhin ohne alternative Konzepte – außer Präsenzunterricht und Durchführung der
Abschlussprüfungen, egal wie – angegangen wird. Doch gerade bei den Abschlüssen fehlt Ehrlichkeit.
Der Rückstand aus dem vorherigen Schuljahr ist längst nicht kompensiert und auch in diesem Lock
Down ist Chancengleichheit nicht gegeben. Die gesamte Problematik wurde in den letzten Monaten
von den Eltern- und Lehrerverbänden, Gewerkschaften sowie den kommunalen Spitzenverbänden
immer wieder deutlich aufgezeigt. Seit Beginn der Coronakrise fordern wir einen Plan B und C, wie
den Fokus auf Förderung auch durch externe kommunale Bildungspartner, statt auf Prüfungen.
Gerade durch die Prüfungen wird paradoxerweise die Länderhoheit aufgegeben. NRW schwimmt
also in Abhängigkeit einer konzeptlosen KMK, die nicht einheitlich reagieren wollte, weil nicht alle
gleich schlimm betroffen waren. Nun sind alle Bundesländer betroffen, doch darauf war die KMK
nicht vorbereitet. Sehenden Auges hat man die Vollschließung abgewartet, statt vorab Alternativen
zu entwickeln und hat die Warnungen der Kanzlerin und der Wissenschaft ignoriert.
Um aber auf die pandemische Entwicklung angepasst reagieren zu können, muss von der
Zentralisierung abgerückt werden und den Kommunen/ Schulen vor Ort mehr Flexibilisierung
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eingeräumt werden, damit mehr Bildungsangebote genutzt und ermöglicht werden können. Dazu
brauchen wir aber einheitliche Konzeptalternativen für Wechsel-, Schicht-, Hybrid- oder
Distanzunterricht, auf die die Kommunen/ Schulen je nach Lage zurückgreifen können. Damit diese
möglich sind, müssen alle Beteiligten endlich akzeptieren, dass alle Schulen ein Teil der
pandemischen Entwicklung sind und entsprechend ausgerüstet und vorbereitet werden müssen.
Die Problembereiche – eine nicht vollständige Auswahl
Schule ist mehr als nur eine Bildungseinrichtung – Betreuung ist ein Kernelement
Selbstverständlich haben Kinder ein Recht auf Bildung, schulische Förderung und manche auch auf
Therapien. Viele Kinder, die von ihren Familien nur wenig unterstützt werden können, brauchen
zusätzliche Förderung. Die Ganztagsbetreuung kann solche zusätzlichen Angebote schaffen und tut
das auch schon an vielen Orten. Der Ganztag ist aber wie Schule selbst, finanziell unterversorgt.
Doch auch Familien haben das Recht auf sichere Betreuung. Ohne diese können viele Familien ihrer
Arbeit nicht nachkommen. Gerade den Eltern, die keine Einkommenssicherheit haben oder nicht im
Homeoffice arbeiten können, insbesondere diejenigen, die uns versorgen, heilen, pflegen sind darauf
angewiesen, dass wir ihnen den Rücken freihalten. Um sich auf ihre Aufgabe konzentrieren zu
können, möchten sie Betreuung, Förderung und Bildung ihrer Kinder gesichert wissen. Deshalb muss
Betreuung qualitative Bildungsangebot machen und in enger Abstimmung mit Schule wirken.
Hinsichtlich dessen, dass NRW auch hier einen Sonderweg des Ganztags, offen statt gebundenen
Ganztag, gegangen ist, aber der verbindliche Betreuungsanspruch des Bundes beschlossen wurde,
muss der Ganztag neu gedacht und integriert werden. Eine Chance in der Pandemie, sofern auch hier
räumliche und personelle Ressourcen aufgestockt werden.
Digitalisierung
Viele Millionen Euro finanzieller Unterstützung werden den Kommunen für die längst überfällige
Digitalisierung zur Verfügung gestellt. Dieses klang wie ein Vorweihnachtsgeschenk. Doch wer
geglaubt hatte, dass Millionen Endgeräte in einer weltweiten Pandemie innerhalb von wenigen
Wochen geordert und geliefert werden können, glaubt sicherlich auch an den Weihnachtsmann. Und
wer dann noch geglaubt hat, dass sich alle Lehrkräfte freiwillig nachschulen und jede Schule schon
pädagogische Digitale Konzepte entwickeln konnte, trotz fehlender Personalressource, glaubt
zusätzlich sicherlich an Wunder.
Doch, dass die Digitalisierung nun diesen Anschub erhält, verdanken wir durchaus Corona und auch
dem Vorhaben der Landesregierung, Versäumnisse nun ausgleichen zu wollen. Positiv ist, dass die
Bereitstellung der Endgeräte nach Bedürftigkeit und Bedarf der Schüler*innen durch die Schulen
erfolgt.
Es fehlt jedoch die Anerkennung der digitalen Endgeräte als Lernmittel. Es kann nicht sein, dass
Familien für ihre Kinder diese Geräte auf eigene Kosten anschaffen. Wenn man für ein iPad (inkl.
Zubehör und Versicherungskosten) von über 600 Euro, und für einen Laptop (inkl. Versicherung) ca.
700 Euro ansetzt, müssen Familien mit mehreren Kindern um die 1.300 Euro bezahlen, zusätzlich zu
den anderen Ausgaben für Kopien, Klassenfahrten etc. Das ist unzumutbar.
So wichtig Endgeräte sind, braucht es auch einen guten Support und Betriebsmöglichkeiten wie
flächendeckendes WLAN. Gute pädagogische Konzepte für das Lernen mit digitalen Medien im
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Präsenz- und Distanzunterricht müssen entwickelt und bereitgestellt werden. Doch dafür fehlen
Verfügungszeiten. Dazu bedarf es auch entsprechender Fortbildungen bzw. Weiterbildung. Wenn
dann aber die Lehrkräfte auch noch Hygienepläne entwickeln und die Nachverfolgung
dokumentieren sollen, schwindet die Zeit für Bildung und Förderung zunehmend. Jede einzelne
Infektion hat dann in dem fragilen System erhebliche Auswirkungen, die Benachteiligungen
verstärken. Aber auch besonders engagierte Lehrkräfte haben nur 24 Stunden am Tag und
Grundbedürfnisse.
Die Krise hat aber auch gezeigt, dass soziale Beziehungen, direkter Kontakt zwischen Schülerinnen
und Lehrerinnen nur bedingt zu ersetzen sind und großen Einfluss auf den schulischen Erfolg haben.
Geht man von diesen beiden Faktoren aus, soziale Teilhabe und Notwendigkeit der Betreuung,
brauchen wir entsprechende personelle und räumliche Ressourcen. Der große Bedarf wurde in der
Krise aber nicht ausreichend berücksichtigt und zu wenig aufgestockt. Auch hier wirkt die Pandemie
nur wie ein Brennglas. Schule war in den vergangenen Jahrzehnten zwar ein hervorragendes
Wahlkampfthema im Land; die daraus folgende Hau-Ruck und Hin-und-Her Politik gemacht hat,
jedoch immense Kosten erzeugt und Müdigkeit verursacht. Dringend notwendige Investitionen in
Personal und Raum schienen dabei weniger wichtig als Konzepte. Wie wenig uns das gelungen ist,
zeigen die nicht sinkenden Schülerzahlen, die keinen Abschluss schaffen und /oder keinen Anschluss
erhalten. Wir müssen dringend von diesem „Marketing“ der Schulpolitik weg und uns um den
Bestand verantwortungsvoll kümmern und so die Schulen zukunftsfähig machen.
Schülerinnen mit Förderbedarf und Behinderungen
Schülerinnen mit Förderbedarf oder Behinderungen können vielfach kaum oder nicht auf Distanz
beschult werden. Sie wurden aber bis heute vielerorts nicht wieder im vollen Umfang in der Präsenz
unterrichtet. Es braucht andere Konzepte, die mehrere Elternverbände schon in der Presserklärung
von Anfang Mai „VERGESSENE KINDER! SCHULE AUF – ABER DANN FÜR ALLE!“ gefordert haben, als
die Wiedereröffnung nach dem Frühjahrs-Lockdown anstand. Diese Kinder haben auch ebenso ein
Recht auf Bildung, Förderung und Betreuung, und zwar qualifizierte! Zusätzlich geht es bei vielen
auch um Therapieangebote - die auch wegfallen, wenn kein Präsenzunterricht stattfindet.
Als einen Lösungsweg hatten wir den Einsatz der Schulbegleiterinnen in den Familien gefordert, falls
eine Beschulung nicht direkt möglich ist. Dies funktioniert auch in einigen Kommunen, aber eben
nicht überall. Wie im ersten Lockdown, legen Kommunen abermals den Rotstift an und wollen diese
Hilfen nicht bewilligen, wohlwissend, dass auch ältere Schülerinnen mit einer Behinderung dringlich
auf diese Assistenz angewiesen sind. Die häusliche Unterstützung durch Schulbegleitung muss
deshalb gesichert sein, damit Familien, aber auch die Träger Planungssicherheit haben. Durch die
Zusage der Mittelübernahme nach regulärer Stundentafel können die Schulbegleiter kontinuierlich
und sicher eingesetzt werden; nur so gehen die Begleitungen nicht verloren oder gefährden weitere
Existenzen.
Zusätzlich brauchen wir für diese Schülergruppe, dringlich weitere Schutzvorkehrungen, damit eine
Teilhabe in vollem Umfang wieder gewährleistet wird.
In der Schulmail vom 11.12.2020 wird nur auf eine Notfallbetreuung in Absprache mit Eltern und
Schule verwiesen, auch für Schüler*innen in den Förderschulen bis zur 7. Klasse. In der Schulmail
vom 13.12.2020 wird ergänzt: „Ab Klasse 8 erfolgt der Unterricht grundsätzlich in Distanz.
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Schülerinnen und Schüler an Förderschulen mit einem besonderen Betreuungsbedarf werden auch in
den Jahrgangsstufen 8 und darüber ein Angebot für den Unterricht in Präsenz in ihren Schulen
erhalten.“ Damit wurde den Schülerinnen mit Behinderung ihr sonderpädagogischer Bedarf
anerkannt, aber warum dann nur an Förderschulen? Was ist mit den Kindern mit
sonderpädagogischem Bedarf im gemeinsamen Lernen, auch über die Klasse 8 hinaus? Diese Kinder
dürfen nicht wieder vergessen werden. Denn für diese Familien geht es um mehr als Bildung,
Förderung und Betreuung – es geht um Therapieangebote und Entlastung, ob eigene Kinder oder
adoptierte oder in Pflege genommene Kinder mit einer Behinderung! Letztere haben nicht selten
mehrere Kinder mit einem Bedarf aufgenommen und werden jetzt im Stich gelassen.
Alle Corona Maßnahmen werden zum Schutz vulnerabler Gruppen getroffen, die besonders
gefährdet sind. Deshalb müssen die Verantwortlichen von Bund, Länder und Kommunen gerade auch
diese Schülergruppe im Blick haben und ihr Recht auf Teilhabe sichern. Perspektivisch für das
kommende Jahr müssen vulnerablen Schüler- und Lehrergruppen endlich ausreichend Schutzmitteln,
wie FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden, damit ihnen eine Präsenzteilnahme überhaupt
möglich bleibt. Es müssen aber auch Alternativen wie Schutzwände, Filteranlagen und ähnliche
mechanische Maßnahmen ausgebaut werden.
Mit alternativen Konzepten flexibel auf die Corona Krise reagieren – kein dogmatisches Festhalten
am Präsenzunterricht und Fahren auf Sicht.
Bis jetzt ist das Schulministerium (MSB) die harte Linie gefahren, nur auf Präsenzunterricht zu setzen
und jegliche andere Modelle zu verbieten. Dies machte der Umgang des MSB mit den Konzepten der
Stadt Solingen und anderer Kommunen (z.B.: Lünen) deutlich. Es muss möglich sein, neben dem
vollen Präsenzunterricht auch Wechsel- und Hybridunterricht sowie Distanzlernen zu ermöglichen.
Dies sollte in Abhängigkeit von den Inzidenzzahlen innerhalb einer Kommune entschieden werden
können und nicht einer einzelnen Schule, denn Schülerinnen kommen oft nicht aus einem
Stadtbezirk. In das Konzept müssen auch die Ganztagsbetreuung mit Betreuungsangeboten von
außerschulischen Partnern, Förder- und Forderangebote, sowie die Mittagsverpflegung mit
einfließen. Eltern möchten nicht durch eine Drehscheibe Schule gefährdet werden und möchten
Transparenz und Planbarkeit.
Die Abschlussprüfungen für die Sek I sowie Fachoberschulreife und das Abitur stehen an. Wie soll
damit umgegangen werden? Wie soll der Weg dorthin aussehen, wenn z.B. vorher Klausuren, oder
Prüfungen, nur eingeschränkt stattfinden können. Wie ist mit Schülerinnen umzugehen, die
erkranken oder unter Quarantäne stehen? Wie wird mit vulnerablen Schülerinnen umgegangen.
Müssen Inhalte und Abschlussprüfungszeiträume angepasst werden? All diese Fragen stellen sich
wieder mit der gleicher Wucht wie im Frühjahr. Antworten sind offen. So hoffen wir, dass zeitnah
Anpassungen stattfinden, dass der Schuss vor den Bug wachgerüttelt hat. Bildung und Förderung
muss dabei im Fokus steht und Prüfungen auf die Möglichkeit der Schulen angepasst werden. Wir
erwarten nun endlich einen ehrlichen Blick auf die Ungleichheiten. Den Schulen muss der Druck
genommen werden, aber auch mehr zugetraut werden. Wieviel Lehrkräfte können, zeigt die Krise,
aber sie brauchen auch Hilfen. Die Förderung der Schüler*innen muss vor Gleichmacherei oder
bundeseinheitlichen Prüfungen stehen. Die Gegebenheiten vor Ort sind dabei das Barometer.
Förderangebote in den Schulferien
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Es werden weiterhin verstärkt Förder- und Betreuungsangebote in den Schulferien benötigt. Das von
der Landesregierung aufgelegte Programm für die Sommerferien wurde spät bewilligt. Dadurch
waren die Kommunen / Träger nicht in der Lage, entsprechende Angebote zu erstellen bzw. die
Familien zu erreichen. In den Herbstferien hat es schon etwas besser funktioniert. Jedoch werden
diese Mittel nicht im erforderlichen Umfang abgerufen und genutzt. Hier gibt es Vorschriften, die
eine effiziente Nutzung blockieren. Es muss dringlich nachgesteuert werden, wenn von 75 Millionen
Euro gerade einmal 6 Million abgerufen wurden. Den Kommunen muss hier mehr
Gestaltungspielraum eingeräumt werden. Es kann auch nicht sein, dass wenn so viele Mittel bisher
nicht genutzt werden, dass plötzlich Kommunen wieder dringend benötigte häusliche Hilfen
ablehnen oder keine Weihnachtsferienangebote auflegen können. Hier müssen Verantwortliche sich
noch vor Weihnachten austauschen, wie das zuverlässig und kurzfristig gesichert werden kann. Denn
mehr den je, brauchen Schülerinnen/ Familien in diesen Ferien Betreuungs-, Förder- und
Forderangebote. Anders wird es vielen Pflege-, Reinigungskräften, Ärzten, Laborantinnen,
Lebensmittelverkäuferinnen usw. nicht möglich sein ihren Job zu erfüllen – UNS- zu heilen, pflegen,
versorgen usw.! Sie und ihre Kinder brauchen diese Angebote und unsere Unterstützung! Es bleibt
auch nicht viel Zeit bis zu den Osterferien. Damit diese Schülergruppen weiterhin Lücken schließen
können, müssen schon im Januar Mittel bewilligt werden, damit diesmal die Rahmenbedingungen
frühzeitig bekannt werden und Planungssicherheit möglich wird.
Was ist noch zu sagen?
Wir Eltern können diese Entscheidungen nur bedingt beeinflussen, aber wir können an unsere
Politikerinnen und Regierenden appellieren, dass sie unsere Hilfe nutzen und mit uns wieder in den
Dialog treten. Wir können sie auffordern, Wissenschaft ernst zu nehmen und wir können sie
auffordern, endlich eine Verantwortungsgemeinschaft zu bilden, die Bildung und Betreuung neu
denkt. Unsere Wünsche (Forderungen) bleiben daher unverändert:
•
Bildung, Betreuung und Förderung gemeinsam denken
•
Konzepte prozessorientiert mit allen Akteuren zusammen entwickeln
•
Kommunen als Bildungsakteure und damit Auftraggeber der kommunalen Bildungsträger
ernst nehmen und einbinden, damit Landesmittels auch genutzt werden können
•
Gestaltungsspielraum für alternative Modelle (Schicht-, Wechsel-, Hybrid- und
Distanzunterricht) ermöglichen
•
Alle mechanische Schutzmittel ausweiten, vulnerable Gruppen mit Selbstschutzmittel
ausstatten und nach Bedarf Trennwände, Luftfilteranlagen, mehr Räumlichkeiten
ermöglichen
•
Bildungs-, Förder-, Forder- und Betreuungsangebote für Schüler*innen sichern, auch in
diesen Weihnachtsferien
•
Abschlüsse sichern, durch erweiterte und dezentrale Prüfungsalternativen
•
Digitale Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und Eltern ermöglichen
Wenn von den bereitgestellten 75 Million Euro zusätzliche Ferien- und Förderangebote bisher nur
6 Millionen Euro von den Kommunen abgerufen wurden, dann stimmt etwas nicht, wenn gleichzeitig
auf der anderen Seite Schulen mehr Unterstützung und mehr Angebote fordern. Hier müssen die
Ausschreibungskriterien so verändert werden, dass Kommunen die Mittel in ihren vorhandenen
Strukturen nutzen können. Es darf nicht weiter zu Blockaden kommen. Kommunen und Ministerium
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müssen schnell und unkompliziert alle Mittel nutzen, damit auch in der Pandemie
Chancengerechtigkeit wiederhergestellt werden kann.
Es mangelt also nicht am Geld, sondern Verordnungen müssen angepasst werden und Vertrauen
muss wiederhergestellt werden. Den Eltern ist völlig egal, wie und wer die Angebote finanziert, doch
sie fordern entsprechende Betreuungs- und Förderangebote.
Zum Schluss darf auch das Potential der Eltern als einer der Bildungsbausteine nicht unterschätzt
werden! Daher wiederholen wir auch die Forderung der Vernetzung und die Forderung einer
Weiterbildung für Eltern. Auch hierfür könnten die zusätzlichen Fördermittel eingesetzt werden,
denn Eltern müssen auch bei der Digitalisierung ihrer Kinder Schritt halten können, damit sie ihre
Kinder auch im Distanzlernen unterstützen können.
Diese Krise hat also das Potential uns einen besseren Umgang mit unseren Ressourcen beizubringen,
und zeigt uns, wo wir uns anstrengen müssen, und welche Nachsteuerungen und Verbesserungen
notwendig sind. Lassen Sie uns das gemeinsam tun. Die Schülerinnen brauchen ihren Sozialkontakt
und wieder Freude am Lernen. Auch die Schülerinnen stellen eindeutige Forderungen, die wir
ebenso ernst nehmen müssen, denn es geht um ihre Zukunft. Nicht nur bei der Bewältigung dieser
Krise sondern auch ihre Warnungen vor der Klimakrise zeigen, dass sie sehr gut wissen, was sie für
ihren Lernerfolg und ihre Zukunft benötigen. Doch wir sind es, die jetzt die Verantwortung tragen
und ihnen eine lebenswerte Zukunft hinterlassen müssen.
Mehr denn je können wir die Verantwortung nicht auf wenige politische Akteure abladen sondern
müssen uns als Eltern aktiv einbringen. Dies können und sollten alle Eltern über ihre Kreis- und
Stadtschulpflegschaft oder Landesverbände tun. Hier beginnt Solidarität für eine gute
Krisenbewältigung.
Wir möchten deshalb auch in diesem Jahr unsere Hoffnung nicht aufgeben und erst recht nicht zu
Weihnachten. Hoffnung ist die Chance für einen gesunden und guten Neustart. Hoffnung ist auch die
Aussicht, dass es uns gelingen wird und wir gemeinsam durch die Krise kommen. Wir hoffen deshalb,
dass Wahlkampftheater ausbleibt und wir uns gemeinsam auf Lösungen und Konzepte
konzentrieren. Doch eins müssen wir dringlich auch zu Weihnachten tun und können uns in diesen
Ferien nicht entspannt zurücklegen und feiern: Wir müssen im Dialog bleiben und respektvoll
miteinander umgehen.
Noch vor Weihnachten, vor dem neuen Jahr müssen Gespräche wieder aufgenommen werden und
alternative Konzepte entwickelt werden, damit die Schulen Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen
frühzeitig wissen, wie es nach dem 10. Januar 2021 weitergehen wird!
Es gilt deshalb unsere Forderung: Machen wir den Schuldampfer gemeinsam seeklar und
manövrierfähig für unbekannte Gewässern mit neuen Zielen, sodass wir dann auch die Aussicht
wieder genießen können. Manchmal werden Wunder auch außerhalb von Weihnachten wahr.
Die Themen werden auch im kommenden Jahr nicht abreißen, deshalb halten Sie bitte durch. Wenn
es irgendwie geht, wünschen wir Ihnen allen Momente der Erholung, der Zuversicht und dafür eine
gesegnete Zeit. Wir möchten aber nicht schließen, ohne uns nochmals bei Allen – wirklich bei allen
Akteuren bei Land, Ministerium, Kommune, Verwaltung, Schule, Lehrkräfte, Familien, Eltern und
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Schüler*innen für Ihre vielen Bemühungen bedanken. Wir wünschen uns eine bessere
prozessbeteiligte Zusammenarbeit aller - für die Zukunft unserer Kinder.
Bleiben Sie behütet und hoffentlich gesund. Allen Erkrankten wünschen wir eine schnelle und
vollständige Genesung. Danke an alle diejenigen, die helfen, pflegen, versorgen und vieles mehr und
diejenigen, die respektvoll streitbar und dialogfähig für Lösungen bleiben!
Besinnliche Weihnachtszeitgrüße
Ihr Vorstand der Landeselternkonferenz NRW
…CHANCEN NUTZEN!