NRW, 01.05.2024
Sabra duesseldorfer erklaerung gegen antisemitismus an schulen 2024 05
Tel.: 0211 94195988 E-Mail: sabra@jgdus.de www.sabra-jgd.de 1
Düsseldorfer Erklärung gegen Antisemitismus
Als in Schule Tätige und Engagierte sind wir alle schockiert über die Ereignisse der letzten Monate.
JüdinnenJuden weltweit, auch in Deutschland, sehen sich einem enorm gesteigerten und sie extrem
belastenden Antisemitismus gegenüber. Auf deutschen Straßen wird offen Antisemitismus artikuliert
und propagiert. In den Sozialen Medien entfaltet sich der Judenhass ungehemmt. Die Folge: Jüdische
Schülerinnen und ihre Eltern haben Angst. Angst vor dem Antisemitismus, der längst auch in den
Schulen angekommen ist. Traumatische Erinnerungen an die Shoa – transgenerational vererbt – wer-
den schmerzvoll wach.
Dabei hat der Antisemitismus längst alle sozialen Milieus durchdrungen: Es gibt ihn beispielsweise bei
Rechten und Linken, bei Extremisten, Progressiven, Alternativen und Esoterikern, unter Muslimen und
Christen. Es gibt ihn in der bürgerlichen Mitte, in der Wissenschaft ebenso wie in der Kulturszene. Hier
etwa ist er über den Rap – als verbreitetster Jugendkultur – wiederum ganz nah bei unserer Schüler-
schaft.
Wir haben die dringliche Aufgabe, Antisemitismus entschieden entgegenzuwirken: Wir müssen aufklä-
ren über die zerstörerische und demokratiefeindliche Wirkung in Vergangenheit und Gegenwart, die
die hasserfüllten, menschenverachtenden Ideologien und Zerrbilder von JüdinnenJuden entfaltet ha-
ben und entfalten. Und wir müssen informieren über jüdisches Leben und jüdische Vielfalt in der Ge-
genwart, um den Zerrbildern ein realistisches Korrektiv entgegenzustellen. All das sind permanente
Aufgaben aller in Schule Tätigen und Engagierten, die nicht auf Gedenktage oder feierliche Anlässe
beschränkt werden dürfen, sondern als Daueraufgaben zu verstehen sind.
Gerade mit Blick auf die jüngsten Ereignisse ist es dringend notwendig, dem steigenden Antisemitis-
mus entgegenzuwirken. Denn 80 Jahre nach der Vernichtung jüdischer Menschen durch die National-
sozialisten findet der diesjährige Jom Hashoa gut sieben Monate nach dem größten Pogrom an Jüdin-
nenJuden seit der Shoa statt. Auf eine bewusst barbarische Art und Weise wurden über 1.200 Men-
schen - vom Baby bis zum Greis - schwerst misshandelt, vergewaltigt und ermordet. Weit über 200
JüdinnenJuden wurden als Geiseln nach Gaza verschleppt.
Verantwortung für das Massaker trägt die Terrororganisation Hamas. Ihr Ziel ist es nicht nur, den ein-
zigen jüdischen Staat auf der Welt auszulöschen, sondern auch das Leben aller JüdinnenJuden welt-
weit. Diesem Ziel ordnet die Hamas alles unter und nimmt dabei gezielt auch immenses Leid und tau-
sende Opfer der palästinensischen Bevölkerung in Kauf, für die sie zu kämpfen vorgibt.
„Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken“ stellen laut
unserem Schulgesetz das „vornehmste Ziel der Erziehung” dar. „Die Jugend soll erzogen werden im
Geist der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der
Überzeugung des anderen.“ Dieser Aufgabe kann nur eine ernsthafte und wirkungsvolle antisemitis-
muskritische Bildung gerecht werden - im Geist der europäischen Aufklärung.
Verlässliche Orientierung bietet dabei die international anerkannte IHRA-Definition des Antisemitis-
mus mit ihren Erläuterungen und Beispielen.
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Wir, die Unterzeichnenden, bekunden unsere Solidarität mit allen von Antisemitismus Betroffenen. Wir bekennen uns zu der Aufgabe, jeglicher Diskriminierung und Aggression sowie insbesondere dem Antisemitismus über Bildung und Aufklärung in den Schulen entschieden und dauerhaft entgegenzu- wirken.
Düsseldorf, 05./06. Mai 2024 - Jom Hashoa - Tag des Gedenkens an die Opfer der Shoa und das Hel- dentum des jüdischen Widerstandes