NRW, 01.05.2021
Praesenz–mit schutzmassnahmen einhaltung aha regeln 2021 05 20
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
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PM: Präsenz – mit Schutzmaßnahmen und unter Einhaltung der AHA- Regeln!
Die Nöte der Schülerinnen und Familien sind groß und deshalb nicht kurz, aber klar:
In der Umfrage der LEK vom April 2021 haben die Eltern in NRW deutlich gemacht, dass sie
Präsenzunterricht wünschen, aber nicht um jeden gesundheitlichen Preis. Die Belastung der
Familien ist enorm, Kinder brauchen Bildungsangebote, Eltern Betreuungsangebote, Kinder
ihre Freunde. Daher fordern wir seit Beginn der Krise Schutzkonzepte, die Schulräume sicherer
machen und Unterricht in Präsenz wieder verlässlich ermöglichen. Auch die Bundesnotbremse
sieht einen „angepassten“ Präsenzunterricht nur bei Einhaltung von Schutz- und
Hygienekonzepten vor. Die Empfehlung des RKI, erst bei einem Wert von 50 zu öffnen, werden
vom Ministerium abermals ignoriert.
HEPA-Luftfiltergeräte bieten einen solchen Schutz und würden eine generelle Öffnung
unabhängiger von Inzidenzen ermöglichen. Das Schulministerium begrüßt ihre Anschaffung.
Doch nur wenige Kommunen wie Rheine statten alle Räume ihrer Schulen auch entsprechend
aus. Stattdessen werden von einzelnen Kommunen immer neue Gutachten in Auftrag
gegeben, bereits vorhandene angezweifelt, auf zu enge Förderrichtlinien von Bund und Land
verwiesen, trotz Empfehlungen der WHO und des RKI.
Trotz Warnung fast aller Verbände vor zu früher Öffnung bei fehlenden Schutzmaßnahmen
kehren nun die Schülerinnen in voller Klassenstärke in die Schulen zurück. In der aktuellen
Schulmail ist von strikter Einhaltung der Hygieneregeln die Rede. Nun die Kinder wieder mit
sämtlichen Differenzierungskursen und Ganztagsangeboten zurückzuholen, bedeutet aber bei
bis zu 30 Kinder in einem Raum, die Abkehr von der Abstandsregel. Die Schulen haben dazu
nicht den notwendigen Platz und immer noch nicht ausreichend Personal. Lösungsvorschläge
der Verbände werden wiederholt nicht beachtet und eigene geliefert.
Dabei wird vergessen, dass gerade jüngere Kinder auch weiterhin geschützt werden müssen,
weil sie noch lange kein Impfangebot erhalten. Besonders betroffen sind vulnerable
Schülerinnen mit einer Vorerkrankung oder einer Behinderung, zumal wenn ihnen das
Tragen von Masken, das Testen und das Impfen grundsätzlich nicht möglich sind. Es zeigt also
wieder, dass die Entscheidung weniger vom Wohl aller Schülerinnen als vom wirtschaftlichen
Druck zu öffnen bestimmt wird. Der Überbietungswettbewerb des frühen Öffnens ist in vollem
Gange. Doch auch nach 14 Monaten verweist das Ministerium nur auf den angepassten
Schulbetrieb, lässt aber unbeantwortet, wie so die Abstandsregeln eingehalten werden sollen.
Die Sorge vieler Verbände, wie mit voller Öffnung eine weitere Welle verhindert werden kann,
bleibt unbeantwortet.
Die Notwendigkeit der vollen Öffnung wird mit der psychischen Belastung der Kinder
begründet, die nicht von der Hand zu weisen ist. Notwendig ist aber vor allem zu schauen, was
Schülerinnen konkret belastet, statt nur Betroffenheit kundzutun. Psychisch belastet sind
auch Schülerinnen, die Angst vor Ansteckung, Angst vor Prüfungen, Angst vor Notendruck,
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Angst vor Schnelltests und vieles mehr haben. Das zeigt auch unsere Umfrage. Umso wichtiger
wäre ein stringentes Handeln in Fragen Raumschutz aber auch bei der dringlichen Aufstockung
von Personal und Raum gewesen. Doch hier wird zu wenig geliefert.
Auch die LEK NRW fordert Präsenz, doch halten wir die fehlende Differenzierung bezüglich
Schularten und Standort als höchst problematisch. Ältere (Oberstufen-) Schülerinnen
kommen häufig gut im Distanzunterricht klar. Speziell die Berufskollegs hatten signalisiert,
lieber bis zum Ende des Schuljahres im Distanzunterricht bleiben zu wollen. Eine Rückkehr in
die großen Kollegs bedeutet häufig eine Konzentration von 2000 bis 4000 Menschen auf engen
Raum. Bei der Orientierung an der Inzidenz jeweils einer ganzen Stadt oder eines ganzen
Kreises wird ausgeblendet, dass es häufig Stadtteile gibt, wo die Infektionszahlen gerade bei
Kindern und Jugendlichen noch immer bei fast 200 pro 100T Einwohner liegen, obwohl die
Schulen bisher geschlossen waren. Standorte, an denen es seit Wochen keine Infektionen
mehr gegeben hat und die nach den Vorgaben der Bundesnotbremse schon längst wieder
ohne Restriktionen hätten arbeiten können, müssen andere Konzepte fahren dürfen, als jene,
wo sich viele infizieren.
Statt Differenzierung als unfair abzulehnen, muss auf ungleiche Voraussetzungen mit
Aussetzung oder Anpassung von zentralen Prüfungen und Flexibilisierung von Curricula
reagiert werden, weil Ungleichheiten auch durch Quarantäne bleiben werden. Vor allem aber
muss man sich weiterhin mit aller Kraft der Senkung der Inzidenzen in den betroffenen
Gebieten widmen. Hier muss dringlich hingeschaut werden, was dafür benötigt wird, sei es
Aufklärung in verschiedenen Herkunftssprachen, sowie leichter Sprache oder Ton- und
Bildsprache, finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung von Hygieneauflagen oder
niedrigschwellige Impfangebote. Hier müssen auch die Arbeitgeber stärker in die Pflicht
genommen werden und Hygienekonzepte im Beruf nachgeschärft werden.
Auch der Forderung nach einem Impfangebot für Schülerinnen ist nachzukommen. Dabei
sollte es um niedrigschwelligen Zugang in Kombination mit einer auf die besondere
Problematik der Impfung von jungen Menschen ausgerichteten Aufklärung gehen. Ziel kann
es nicht sein, wieder eine neue Gruppe zu priorisieren, solange noch nicht alle vulnerablen
Menschen (und auch nicht alle Lehrkräfte) ein Impfangebote oder Zweitimpfung erhalten
haben. So berechtigt solche Forderungen alle sind, fördern sie doch vor allem die Spaltung der
Gesellschaft. Doch weil es nur sehr langsam voran geht, sollten Öffnungen wohl bedacht und
nachvollziehbar sein, besonders im bevölkerungsreichsten Land der Republik mit 2,5 Millionen
Schülerinnen!
Besonders belastet sind Schülerinnen aber auch durch Prüfungsdruck. Inakzeptabel ist daher
auch die Ungleichbehandlung der Leistungsnachweise und Abschlussprüfungen für nicht
getestete Schülerinnen. Hier ist dringlich eine Gleichbehandlung aller Schülerinnen
herzustellen. Die Teilnahme an Prüfungen und Klassenarbeiten in separaten Räumen muss
allen Schüler*innen ermöglicht werden, wenn man davon schon nicht ablassen kann. Das
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psychische Wohl der Schülerinnen in diesem besonderen Jahr muss dann auch bei der
Bewertung der Arbeiten berücksichtigt werden. Es ist unverständlich, in der Krise einem
Prüfungsfetisch zu folgen und sich dann über den seelischen Leidensdruck der Schülerinnen
zu wundern.
Kinder, die z.B. wegen Autismus oder anderen Gründen den Schnelltests nicht annehmen,
dürfen nicht wie Systemverweigerer oder hoch infektiöse Aussätzige behandelt werden. Auch
dies trägt zum seelischen Leidensdruck der Schülerinnen bei. Vielmehr muss man ihre Ängste
ernst nehmen und individuelle „gütliche“ Lösungen mit den Familien finden. Vielleicht helfen
andere Testarten oder digitale Lernstandprüfungen oder manchmal auch nur ein freundliches
Gespräch. Jedenfalls ist auch das Wohl dieser Familien zu bedenken. Gleichzeitig erspart man
den Schulen rechtliche Auseinandersetzungen. Was andere Bundesländer mit Aussetzung der
Präsenzpflicht ermöglichen, muss hier mindestens Alternativen finden. Die Schulen zu
nötigen, Kinder deshalb auszugrenzen oder schlechter zu beurteilen, verursacht mitunter erst
den Leidensdruck, den Psychologen reklamieren. Das Mitwirkungsrecht der Gremien in
Schule muss stärker beachtet und genutzt werden, um mehr Akzeptanz der Konzepte zu
erlangen, aber auch mehr Verständnis für die Belange der Familien zu gewinnen. Eltern
müssen auch als Ressource eingebunden und erkannt werden, wenn das Schließen der Lücken
gelingen soll.
Für diese Akzeptanz ist der kindgerechte Lolli-Test ein guter Anfang und sollte auf alle Schulen
ausgedehnt werden. Entsprechend dem Freiburger Modell sollten aber die Testergebnisse
schnell digital und persönlich zurückgemeldet werden, dort wo Familien inzwischen digital
erreichbar sind. Wo das immer noch nicht der Fall ist, muss dringlich nachgesteuert werden.
Schulen brauchen jetzt deutlich mehr Helferinnen. Es gibt auch einen Unterschied in der
Handhabung. Einige Labore bauen die Schnelltest im Vorfeld zusammen und andere nicht, was
dann mehr oder weniger arbeitsaufwendig für Schulen ist. Grundsätzlich sollten die
Schülerinnen und Lehrkräfte im Anschluss einen Test-Nachweis erhalten, damit mehr
außerschulischer Bewegungsraum wieder ermöglicht wird und nicht zwei Bürgertest am Tag
notwendig werden.
Doch es muss nun um gute Förderangebote für die kommenden Wochen und das neue
Schuljahr gehen. Da reichen keine zwei Stunden pro Woche. Die LEK NRW fordert mehr
Personal zur Entlastung bei Unterricht, Verwaltung und Hygiene. Dies darf nicht nur kurzfristig
beschäftigt werden, sondern muss perspektivisch mit Blick auf den gesetzlichen Anspruch auf
Ganztag, schon jetzt fest in den Schulen angestellt werden. Das Schließen der Lücken braucht
Zeit. Die Förderung muss in den Schulen selbst stattfinden, nur so können individuelle
angepasste Angebote geschaffen. Das Erhöhung des Lerndruck auf Ablehnung stößt, hat G8
deutlich gezeigt. Auch Schülerinnen brauchen Pausen, daher lehnt die LEK NRW
außerschulisches Büffeln in den Ferien ab. Lernerfolg ist eng verbunden mit Freude am Lernen
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und dem notwendigen seelischen Ausgleich, Zeit für Persönlichkeitsentwicklung- dem Wohl
der Schülerinnen.
Ferienangebote müssen Spaß und Freude zum Ziel haben und sind dann sehr zu begrüßen. JA,
Präsenzunterricht ist wichtig, Gesundheit und das Wohl aller Schülerinnen, Lehrkräfte und
sonstig in Schule Beschäftigten muss trotzdem oberstes Ziel bleiben. Das Ministerium darf die
Empfehlungen des RKI nicht wieder ignorieren und muss die Abstandregelungen strikt
einhalten, solange es nicht den entsprechenden Raumschutz gibt d.h. in der Konsequenz –
kein Unterricht in voller Klassenstärke, dafür aber feste kleine Gruppen, mehr Personal, mehr
Raum, weiterer Ausbau der Digitalisierung und endlich wirksamen Raumschutz in Form von
HEPA Filtern und so tägliche Präsenz sichern!
Der Vorstand der LEK NRW
Dortmund, 20. Mai 2021