NRW, 01.08.2020
Pm verfehlte maskenpflicht statt sicherheit
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften c/o Stadteltern Dortmund Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund Mobil: 0157-36583728 Email: vorstand@lek-nrw.de
PM: Maskenpflicht statt Sicherheit für Unterricht - Die falsche Maßnahme!
Die strenge Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen bis Ende August stellt eine
große Bürde für den Start des neuen Schuljahrs dar. „Diese Maßnahme trifft die Schulen in NRW
ausgerechnet in der heißesten Zeit des Jahres. Doch Schulen sind nicht mit Ventilatoren oder
Klimaanlagen ausgestattet; häufig gibt es nicht mal Sonnenschutz und schwere Vorhänge verhindern
den Luftaustausch. Bei hochsommerlichen Temperaturen, schnell durchfeuchteten Maske und
beschlagenen Brillen wird die Konzentrationsfähigkeit stark leiden und erhebliche Kreislaufprobleme
sind absehbar“, mahnt Karla Foerste, Beisitzerin der LEK NRW. „Es scheint, dass man in
Landesregierung und Politik noch nicht mehrstündig mit einer Maske habe arbeiten müssen. Sonst
hätte man die Folgen wie Kopfschmerzen, Konzentrationsverlust, Schwindel, Verkeimung und viele
weitere inzwischen bekannten Probleme durch dauerhaftes Maskentragen schon selbst erlebt. Hinzu
kommen die Gefahren fehlerhafter Handhabung: zu seltener Wechsel, falsches Aufsetzen, zu dichtes
Material etc.“, erklärt die langjährige Intensivkinderkrankenschwester und Beisitzerin der LEK NRW
Stefanie Krüger-Peters. Durchfeuchtete Masken schützen nicht vor hoher Aerosolbelastung der
Raumluft. Wichtig wäre deshalb zumindest eine Reduktion der Aerosolkonzentration durch
verstärktes, längeres Lüften. Aber zu diesem Thema fehlen wiederum detaillierte Vorgaben.
Doch ist die Maskenpflicht im Unterricht angesichts der steigenden Infektionszahlen angemessen?
Dr. Jan N. Klug, stellvertretender Vorsitzender der LEK NRW, meint: „Nein, völlig unrealistisch! Um
effektiv zu schützen, statt nur zu benachteiligen, müssten zumindest ausreichend Masken zur
Verfügung stehen.“ Das Robert-Koch-Institut veranschlagt einen täglichen Bedarf von mindestens 3
bis 4 Masken in 6 bis 9 Stunden Arbeits-/Schulzeit. Mit 1 Million Masken stellt das Schulministerium
gerade mal 250.000 von insgesamt fast 2,5 Mio. Schülerinnen die notwendigen Wechselmasken für
einen Tag zur Verfügung - unter der Voraussetzung, dass diese jeden Abend gewaschen und
getrocknet werden und ein ganzes Schuljahr halten!
Gekrönt wird die Maskenpflicht durch Sanktionsandrohung bei Nichteinhaltung. „Hier zeigt sich
wieder einmal, dass nicht an Schülerinnen mit einer geistigen oder emotional-sozialen
Beeinträchtigung gedacht wird,“ ärgert sich Anke Staar, Vorsitzende der LEK NRW, und fordert, „es
muss unbedingt Ausnahmen von der Maskenpflicht für Kinder geben, die nicht in der Lage sind, eine
Maske zu tragen oder Regeln nicht durchgehend befolgen können. Kinder mit Behinderungen dürfen
nicht schon wieder, wie vielfach vor den Ferien, vom Unterricht ausgeschlossen werden, nur weil
Hygieneschutzmaßnahmen nicht ausreichend durchdacht wurden!“ Ebenso gewünscht hätten sich
die Eltern Maßnahmen zur besseren Einbindung von Schülerinnen mit besonderem
Gesundheitsrisiko. Eine Versorgung dieser Schülerinnen mit FFP2-Masken könnte einigen von ihnen
den Schulbesuch stundenweise ermöglichen. Doch so wenig wie als Alternative wenigstens eine
technische Anbindung der Distanzschülerinnen an den Präsenzunterricht mitgedacht wurde, so
wenig wurde die psychische Belastung durch die soziale Isolation dieser Schülerinnen
berücksichtigt.
Dauerhafte Maskenpflicht im Unterricht bleibt der falsche Weg für die LEK NRW. Diese Auffassung
hatte das Schulministerium bis vor kurzem noch geteilt. Bei einem Gespräch mit den Rektoren-/
Lehrer- und Elternverbänden in der vergangenen Woche war von einer Maskenpflicht nur außerhalb
des Klassenraums die Rede, was allgemein begrüßt wurde. Lehrkräfte sollten mit FFP2-Masken für
den Unterricht ausgestattet werden und gemäß dem Abstandsgebot der Bundesregierung den
Schüler*innen nicht nahekommen. Was hat sich seitdem geändert? Steigende Fallzahlen durch
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
c/o Stadteltern Dortmund Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund
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Email: vorstand@lek-nrw.de
Reiserückkehrer hatten sich damals bereits abgezeichnet und die vielen wegen einer
Risikogefährdung ausfallenden Lehrkräfte ebenso.
Was ist nun die Alternative zum Vollbetrieb mit Maskenpflicht? Junge Menschen werden sich in ihrer
Freizeit, auf dem Schulweg und in außerhalb des Schulgeländes verbrachten Pausen so sorglos
verhalten, wie es ihrem Lebensalter entspricht - einer unter vielen Gründen, warum Infektionen sich
nicht vermeiden lassen. Bis wirksame Medikamente oder ein Impfstoff zur Verfügung stehen, muss
dem Infektionsrisiko in der Schule wirksam begegnet werden. Die LEK fordert deshalb zwei
Maßnahmen:
- Ein verbindliches Angebot der Testung statt Maskenpflicht.
Kommt es zu Infektionen an einer Schule, müssen alle Beteiligten das Recht erhalten, sich mindestens zweimal (kostenfrei) testen zu lassen. Hierzu fordert die LEK NRW die entsprechenden Ressourcen und Regelungen. - Einen verlässlichen Plan, der unabhängig von fallenden und steigenden Infektionszahlen
einen täglichen Präsenzunterricht unter Wahrung des nötigen Abstands sichert. Dies kann
nur mit kleineren Lerngruppen mit verkürzter Präsenzzeit gelingen. Gerade für die älteren,
aus epidemiologischer Sicht wohl kritischeren Jahrgangsstufen ab der Mittelstufe wäre
beispielsweise eine hälftige Teilung der Klassen bzw. Kurse und wochenweiser Wechsel
zwischen Einführung des neuen Stoffes im Präsenzunterricht und Einüben per Wochenplan
zu Hause denkbar. Bei jüngeren oder wegen einer Behinderung unselbständigeren Kindern
käme Schichtbetrieb mit höherem Hausaufgabenanteil in Betracht. Fernunterricht und die
damit einhergehenden Schwierigkeiten würden weitestgehend vermieden. Diese
Planungssicherheit wäre auch für alle berufstätigen Familien und damit gleichzeitig die
Wirtschaft wichtig. Entsprechende Konzepte wurden in Dänemark oder Island erfolgreich
erprobt.
Doch der Eindruck verschärft sich, dass das Schulsystem in Deutschland nicht mit der nötigen Flexibilität und Kreativität auf die Krise reagiert: erst Prüfungs-Dogma, dann Distanzbewertung trotz ungleicher häuslicher Voraussetzungen und nun Sanktionen bei Maskenpflichtverletzung. Rücksicht auf die häusliche Situation, auf Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen oder nur allgemeine Empathie für die Bedürfnisse der Familien in dieser Krise vermisst die LEK NRW schmerzlich. Statt Planungssicherheit zu bieten und zukunftsorientierte Schulentwicklung voranzutreiben, klammert man sich krampfhaft an die alten Strukturen. Unseren Kindern wird in der Krise viel abverlangt, sie sollen nicht feiern, nicht singen, nur eingeschränkt Sport treiben und nun auch noch durchgehend Masken tragen, wobei die Folgen nicht absehbar sind und Ärzte vielfach warnen. Die Freude über den Wiederbeginn des Unterrichts ist angesichts der neuen Vorgaben aus Düsseldorf deutlich getrübt. Wiederum blicken Eltern mit Sorge ins neue Schuljahr und sind bestürzt über den Maßnahmenkatalog, der keine Sicherheit bietet.
IHR LEK NRW VORSTAND Dortmund, 5. August 2020