NRW, 01.04.2020
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PM: WUT statt Miteinander und Solidarität - KMK ignoriert Empfehlungen des RKI
Aufmerksam haben die Eltern, Lehrerinnen und Schülerinnen gestern den Empfehlungen des RKI
und der Kanzlerin zugehört, dass man weiterhin auf Sicht fahren muss und eine schrittweise
vorsichtige Eröffnung der Schulen ab dem 4.5. ermöglichen sollte. Das Aufatmen hatte noch nicht
begonnen, als plötzlich die KMK die Empfehlungen ignorierte und jedes Bundesland wieder alleine
entscheidet, ab wann sie mit der Öffnung der Schulen beginnen soll. Es macht den Eindruck, dass es
der Kultusministerkonferenz (KMK) nicht gelingt, die Position von Millionen betroffener Familien
einzunehmen, von denen viele nun tagtäglich ihre Gesundheit und ihr Leben zum Wohle aller riskieren
und/oder unsere dringliche Unterstützung benötigen. Es zählt nur das Ziel, Abschlussprüfungen
durchzuführen und dieser Maxime ist alles unterzuordnen.
Mit der schrittweisen Wiedereröffnung der Wirtschaft und Schulen, brauchen wir mehr
Betreuungsangebote für die Familien. Hinzukommen die (derzeit viel zu wenig beachteten) ohnehin
stark benachteiligten Schülerinnen mit einer Behinderung oder Erkrankung. On Top kommen nun
viele weitere Schülerinnen, Lehrerinnen, weiteres schulisch relevantes Personal und deren
Angehörige dazu, die zu den Risikogruppen zählen und für die nun neue besondere Konzepte zur
Beteiligung und Unterstützung konzipiert werden müssen. All diese umfangreichen
Herausforderungen und Aufgaben kommen auf die Schulen und Schulleitungen zu, die zeitgleich
Betreuung, Homeoffice, Beschulung, Reinigung, Hygiene und vieles mehr neu beachten, organisieren,
planen, anbieten und bewerten sollen!
Damit wird einmal mehr deutlich, dass Schule schon lange nicht mehr nur Lernort, sondern Lebensort
der Schülerinnen und Familien ist. Diesen Bedarf hätte die KMK erkennen müssen und nicht
Prüfungen vor dem Wohl aller anderen stellen dürfen. Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung und
Betreuung. Dieses Recht ist höher zu bewerten als die Durchführung von Prüfungen.
Die Schulen brauchen nun die Zeit und personellen Ressourcen, um in enger Abstimmung mit den
Schulträgern, Jugendhilfe, Gesundheitsämtern und vielen weiteren Akteuren wie Reinigungspersonal,
ÖPNV-Unternehmen usw. Konzepte zu planen und umzusetzen, damit in kleinen Schritten eine
Wiedereröffnung nach Bedarf ermöglicht werden kann. Sie können nicht einfach vorhandene
Curricula, Prüfungsunterlagen ziehen und weitermachen wie bisher. Alles wird anders und neu und
dazu braucht es einer besonderen Kraftanstrengung und die Hilfe aller Beteiligten. Dies gelingt
aber nur mit den Eltern, Lehrerkräfte und allen anderen Akteuren gemeinsam und nicht per Dekret der
KMK. So schwer es den Akteuren offensichtlich fällt die Brille zu wechseln und den augenblicklichen
lebensnotwendigen Bedarf der Familien zu erkennen, hätte dieser Druck nicht entstehen dürfen.
Nun ist die Ministerin unter Zugzwang und muss Prüfungen durchführen, komme was wolle, egal ob
die Fallzahlen wieder steigen, ob Schülerinnen, Lehrerinnen und Angehörige sich anstecken oder an
den Prüfungen teilnehmen können oder bei den Vorbereitungen benachteiligt waren. Diese wichtigen
Ressourcen hätten die Schulen für den schrittweisen Wiedereinstieg dringlich benötigt. Viele
Familien, die derzeit weder aus gesicherten Einkommensverhältnissen schauen können oder besonders
gefährdet sind oder ihre Gesundheit riskieren, hat das gestern extrem wütend gemacht. Der Zorn zeigt
sich in einer Vielzahl an Rückmeldungen und heute gestarteter Petitionsschreiben. Die notwendige
Solidarität aller wird damit gefährdet. Dies bedauern wir sehr und hätten uns gewünscht, dass gestern
von der KMK nochmals alle eingegangen Argumente und Bedenken berücksichtigt worden wären und
den Empfehlungen des RKI vertraut worden wäre.
Vorstand LEK NRW
Dortmund, 16.4.2020