NRW, 01.06.2020

Pm lek nrw experten ignoriet. schuleröffnung ohne gesamtkonzept

Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften

cAnke Staar (Vorsitzende)

      Mobil: 0157-36583728 






           Email: vorstand@lek-nrw.de 






           Homepage: www.lek-nrw.de 

PM: Experten ignoriert! Schulöffnung ohne Gesamtkonzept! Seit Wochen fordert die Landeselternkonferenz NRW und andere Elternverbände zusammen Konzepte für möglichst schnelle Wiederöffnung der Schulen. Es zeigte sich, dass einerseits Distanzlernen nicht funktioniert und viele Schülerinnen dabei benachteiligt werden und andererseits viele Familien, in denen Eltern wieder arbeiten müssen, derzeit im Stich gelassen werden. Schule ist mehr als Bildung, Schule ist Lebensraum für Kinder und Jugendliche und umfasst auch eine qualifizierte Betreuung außerhalb des Unterrichts.
Die Familien brauchen dabei Verlässlichkeit und Planbarkeit. Eltern im ganzen Land reagieren deshalb mit Erleichterung auf die Rückkehr zum Regelbetrieb. Was die Eltern in ihrer Freude übersehen ist, dass der angekündigte Regelbetrieb gar nicht möglich sein wird. Gegen den Appell der anerkannten Rektoren-, Lehrer-, Eltern- und weiterer Fachverbände liefert das MSB keine Konzepte für den neuen „Regelbetrieb“, obwohl viele einer Risikogruppe angehörende Lehrkräfte und OGS- Betreuer nicht verfügbar sind. Unterricht in vollem Umfang nach Stundentafel kann also nicht stattfinden.
Die Notbetreuung wird ausgesetzt, gleichzeitig kann die OGS aber nicht in den Vollbetrieb gehen. Nur an wenigen privilegierten Standorten wird das möglich sein. Doch Grundschulen bzw. benachteiligte Schulstandorte, die schon im Vorfeld einen hohen Lehrkräftemangel hatten, werden diese Aufgabe nicht stemmen können und laufen auf unhaltbaren Zuständen zu. Wieder einmal werden Familien die Leidtragenden sein, weil die Schulen allein gelassen werden.
Gerade eben durchdachte Konzepte müssen hastig umgestrickt werden. Schulen sollen irgendwie machen, was vor Ort möglich ist. Konzepte für fehlende Räumlichkeiten, Lehrkräfte, ÖPNV und Betreuung - Fehlanzeige! Dieser ganze Aufwand für nur 10 Schultage, deren Betreuung die Eltern auf Grund des derzeitigen Plans fest eingeplant haben und in denen Tage für Zeugniskonferenzen ausfallen werden. Dieser ganze Aufwand hindert die Grundschulen an der Entwicklung eines Konzepts für das nächste Schuljahr. Unterricht soll nun ohne Abstandregel stattfinden. Stattdessen soll es feste Lerngruppen geben, die versetzt anfangen und getrennt gehalten werden müssen, sich weder in der Pause noch in OGS- Angeboten mischen dürfen. Noch vor einer Woche war die Beschulung der Schüler
innen mit Behinderungen auf keinen Fall möglich und ist es auch jetzt nur mit voller Schutzkleidung, weil das Ansteckungsrisiko für Lehrkräfte und Assistenten als zu groß bezeichnet wurde. Die Risikoschülerinnen können aber vom Präsenzunterricht befreit werden. Wie ihre Beschulung und Betreuung unter diesen neuen gegebenen Bedingungen noch stattfinden soll, wird von dem Schulministerium nicht mitgeteilt. Andererseits scheint es kein Risiko mehr zu geben und trotzdem sollen Lehrkräfte aus Risikogruppen zuhause bleiben! Wie passt das alles zusammen? Gleichzeitig sollen Kommunen einen versetzen Anfang durch mehr öffentlichen Nahverkehr ermöglichen, doch die Mittel dafür fehlen.
Wenn nun die Notbetreuung entfällt und die OGS keine Vollbetrieb aufnehmen kann, endet das in einer Katstrophe für viele arbeitende Familien. Auch hier fehlen die entsprechenden Konzepte und Abfragen, wie ein Vollbetrieb in gleichen Räumen ohne Durchmischung stattfinden kann. Wird Durchmischung doch zugelassen, wirft das zwangsläufige weitere Fragen auf, warum überhaupt noch Abstandsregeln eingehalten werden sollen? Wenn es tatsächlich kein Risiko mehr gibt warum sollen dann alle Risikogruppen Lehrer
innen und Schüler*innen überhaupt noch zuhause bleiben? Dieses Durcheinander können Eltern nicht mehr verstehen und reagieren teilweise „hasserfüllt“! Die einen Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften

cAnke Staar (Vorsitzende)

      Mobil: 0157-36583728 






           Email: vorstand@lek-nrw.de 






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wollen keinerlei Vorschriften mehr- „den Schwachsinn stoppen“ und die anderen wollen die Volleröffnung verhindern – „den Irrsinn stoppen“. Ihre Wut bekommen dann Lehrkräfte zu spüren. Statt Schulen zu unterstützen und mit gemeinsamen Konzepten die Öffentlichkeit zu beruhigen, fördert diese Vorgehen eine tiefe Spaltung durch Konzeptlosigkeit! Eltern können das Infektionsrisiko nicht bewerten, doch die Uneinigkeit der Virologen und Ärzte macht sehr deutlich, dass es noch lange keine Klarheit und Sicherheit geben wird. Eltern fordern deshalb seit Wochen Konzepte, die Sicherheit für eine tägliche Beschulung und Betreuung unter den anhaltenden Infektionsschutzvorgaben langfristig planbar ermöglicht.
Mit dieser ad-hoc Eröffnung ungeachtet der Warnung der Rektoren-, Lehrer-, Fach- und Elternverbände, die selbst gute Konzepte vorgelegt hatten, macht das MSB deutlich, dass ihnen nicht nur die Meinung andersdenkender Virologen und Ärzte oder die Sorgen der Eltern egal ist, sondern auch die Meinung aller Experten-Verbände! Schon das zweite Mal hat das MSB nun die Meinung der Experten vor Ort ignoriert, obwohl diese sich vorab nochmals eindringlich gemeinsam positioniert und auch schlüssige Konzepte für die Sommerferien und das kommende Schuljahr gefordert hatten. Die Konzepte fehlen noch immer. Das Vertrauen wurde beschädigt.
Die öffentliche Wahrnehmung, die Verbände wollten nicht, dass wieder täglicher Unterricht stattfindet, ist schlicht falsch! Genau dies fordern wir und andere Verbände seit Wochen! Die mangelnde Bereitschaft der Regierung die Schulen mit entsprechenden Konzepten und Ressourcen auszustatten, können nicht die Verbände ausbaden! Diese hatten Ihre Unterstützung für die Entwicklung entsprechender Konzepte zugesichert. Dieses Vorgehen gefährdet die Bildungsgerechtigkeit, statt sie zu unterstützen. Kinder haben ein Recht auf Bildung und Betreuung, ebenso wie das Recht auf Schutz. Dazu brauchen die Schulen Konzepte und Planungssicherheiten, die immer noch fehlen.
LEK NRW Vorstand Dortmund, 5. Juni 2020