NRW, 01.10.2020
Pm ausreichend schutz oder vernachlässigung v3 1
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
c/o Stadteltern Dortmund Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund
Mobil: 0157-36583728
Email: vorstand@lek-nrw.de
Homepage: www.lek-nrw.de
PM: Ist das tatsächlich noch Gesundheitsschutz zum Wohle der Kinder?
Werden Kinder und Lehrkräfte mit einem erhöhten Risiko wieder vergessen?
Die Wiedereinführung der Maskenpflicht im Unterricht war folgerichtig, da das Ministerium für
Schule und Weiterbildung des Landes NRW weiterhin Alternativen ablehnend gegenübersteht, und
durchaus sinnvoll. Ausreichender Schutz zur Unterbrechung der Infektionsketten steht von dieser
Maßnahme allerdings nicht zu erwarten. Zu Beginn des Schuljahres wurde von allen Schulministerien
in Deutschland die Wiederaufnahme des Vollbetriebs an den Schulen als Königsweg dargestellt und
schon bald danach vielerorts mit der Maskenpflicht kombiniert. Dem steht allerdings die Forderung
des RKI nach Einhaltung der Abstandregeln (!) auch an den Schulen entgegen. Die LEK NRW
unterstreicht nochmals die Forderung nach Verkleinerung oder Halbierung der Lerngruppen, wie
auch von der GEW und anderen Verbänden favorisiert und inzwischen von allen Virologen als
dringlich empfohlen. Andere Bundesländer, wie Bayern, folgen der Empfehlung und haben einen
entsprechenden Stufenplan entwickelt.
Allein durch die Reduzierung der Gruppengröße kann laut Prof. Dr. Markus Scholz von der Universität
Leipzig der Infektionsschutz sofort um 75 % erhöht werden. Kämen dann noch tatsächlich wirksame
FFP2-Masken für Risikogruppen hinzu, müssen die Klassenräume im Herbst und Winter keine
Gefrierkammern werden. „Selbstverständlich braucht es zusätzliches Personal. Dieses fehlt schon
lange in den Schulen, nicht erst seit Corona! Jetzt ist der Zeitpunkt, dieses Personal endlich
einzustellen. Stattdessen wird laufend und nicht ohne wirtschaftspolitische Hintergedanken im
technischen Bereich investiert: Digitale Endgeräte und Raumluftfilter. Als ergänzende Hilfen sehr zu
begrüßen, stehen diese aber nicht sofort in ausreichendem Maße zur Verfügung und sind schon
deshalb nicht geeignet, um das Ansteigen der Infektionszahlen jetzt sofort zu stoppen“, mahnt Dr.
Ulrich Meier, Beisitzer der LEK NRW.
Ein erster Schritt, dem herrschenden Lehrermangel zu begegnen, wäre die Entlastung der Lehrkräfte
von administrativen und sonstigen Zusatzaufgaben durch die Einstellung von Klassen-/
Schulassistenten, Administratoren und digitalen Hausmeistern. Dann könnten die vorhandenen
Lehrkräfte ihre Zeit wenigstens ganz dem Unterrichten widmen. Genügend Studenten oder
Lehramtsanwärterinnen dessen Referendariats- Jahr am 31.10.20 endet, suchen händeringend nach
Ersatzeinkommen und könnten Angebote in Schule erhalten, derzeit verwaist stehende Räume an
Hochschulen und anderen Fort- und Weiterbildungseinrichtungen könnten genutzt werden.
Die steigenden Fallzahlen von Corona-Erkrankten, drohende Quarantäne und Schulschließungen oder
sogar die Gefahr eines neuen „Lock-Downs“ bereiten vielen Familien aus ganz unterschiedlichen
Gründen Sorgen. Den einen geht es um den Gesundheitsschutz, den anderen um die Arbeitsstelle
und vielen schlicht um soziale Teilhabe. Schule ist dabei ein nicht zu unterschätzender,
systemrelevanter Knotenpunkt, der Bildung, Betreuung, Förderung, Therapien bis hin zur
Grundversorgung gewährleistet und damit auch die Gesundheit der Familien.
Doch derzeit entsteht der Eindruck, dass es vorrangig nicht um Gesundheitsschutz und Wohlbefinden
der Schülerinnen geht, ja nicht einmal um die Minimierung von Neuinfektionen. Es regiert das
Prinzip „Augen zu und durch“. Will man das Risiko für weitere Infektionen senken, dann reichen
einfache Masken durchaus für einen kurzen Besuch von Geschäften. Die Tauglichkeit bei
Dauernutzung in Schulen ist aber sehr fraglich. Immerhin halten sich regelmäßig 30 oder mehr
Schüler*innen ohne Abstand 6 bis 8 Stunden in Oberstufen bis 10 Stunden in einem Klassenraum auf.
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
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Masken müssten regelmäßig gewechselt werden. Wer bezahlt Lehrkräften und Schülerinnen derart
viele Masken? Und wieso wurden die viel stärker gefährdeten Lehrkräfte grundsätzlich befreit,
obwohl sie auch mit Risikogruppen agieren? Die Durchführbarkeit des regelmäßigen Stoßlüftens wird
sich erst bei sinkenden Temperaturen zeigen, wenn die Räume bis zum nächsten Lüften nicht mehr
vollständig erwärmt werden können und Erkältungskrankheiten zunehmen.
Am schärfsten zu bemängeln ist jedoch, dass wieder Menschen mit Behinderungen oder chronischen
Erkrankungen unzureichend berücksichtigt werden. Dies machen nicht abreißende Klagen
Betroffener deutlich. Man fragt sich: Sollten die Maßnahmen nicht gerade diese Menschen - mit
Behinderungen und chronischen Erkrankungen - schützen, die eine höhere Gefahr eines schweren
Verlaufes tragen? Wieso stehen diese Gruppen dann nicht Mittelpunkt des gesamten Handelns
und Planens?
Wer zahlt den Lehrerinnen und Schülerinnen mit einem erhöhten Risiko die FFP2-Masken, damit
eine Teilhabe und Teilnahme weiter möglich ist? Krankenkassen finanzieren als Vorsorgemaßnahme
Fitnesskurse für überwiegend fitte Menschen, FFP-Masken stehen dagegen nicht im
Hilfsmittelkatalog und werden deshalb nicht bezahlt, auch nicht für besonders gefährdete Personen.
Von Bund und Land werden diese Gruppen ebenso stiefkindlich behandelt. Zwar sollten Lehrkräfte
mit erhöhtem Risiko FFP2-Masken vom Land NRW gestellt bekommen, doch diese kamen nie oder
nur in unzureichender Stückzahl in den Schulen an.
„Schülerinnen mit Behinderung oder Vorerkrankung wurden völlig vergessen“, kritisiert Anke Staar,
die Vorsitzende der Landeselternkonferenz NRW (LEK NRW). „Sie erhalten keinerlei Unterstützung
und können nur dann am Unterricht teilnehmen, wenn sich ihre Familien die Anschaffung der
besonderen Schutzmittel leisten können. Das Land weiß aber nicht einmal, wie viele Lehrkräfte oder
Schülerinnen von einem erhöhten Risiko betroffen sind oder welche Art der Hilfe sie benötigen für
eine Teilnahme an Präsenz- oder Distanzunterricht. Somit kann der notwendige Mehrbedarf nicht
ermittelt werden, um diese Gruppen besser zu schützen oder zu fördern. Das Vergessen zeigt sich in
vielen Punkten im gesamten Verlauf der Pandemie, sei es bei der Schülerbeförderung, der
Betreuung, der individuellen Förderung, der Öffnung der Schulen, nun auch noch bei den Therapien!“
Anstatt in der Krise mehr Mittel für die stärker gefährdeter Menschen bereitzustellen, werden Hilfen
gekürzt oder fallen aus. Absurderweise reduzieren sogar Landschaftsverbände, die speziell für
Menschen mit Behinderungen tätig sind, Therapeutenstellen, und soziale Träger kündigen
Assistenzen, weil weder das Land noch die Kommunen einschreiten bzw. finanziell einspringen.
„Welche Folgen die Nichtförderung, die fehlende Teilhabe und die unterlassenen Hilfen haben, zeigt
sich inzwischen mit massiven Auswirkungen in den betroffenen Familien“, sagt Stefanie Peter-Krüger,
Beisitzerin der LEK NRW und fordert, „es wird Zeit, dass diese Bedarfe endlich gesehen und
entsprechend unterstützt und geschützt werden!“
Wieder einmal sind die Maßnahmen nicht bis zum Ende durchdacht und treffen insbesondere
Minderheiten. Mit dem Hinweis, dass 98.1 % der Schülerinnen nicht betroffen sind, können
Konzepte einfach gehalten und als „Erfolge“ verkauft werden. Das ist für die LEK NRW nicht
akzeptabel, weil kein Kind statistisch zu vernachlässigen ist. Es sollte um einen raschen Stopp der
Ausbreitung, sowie die Verhinderung von Schulschließungen und Überforderung von
Gesundheitseinrichtungen gehen. Die schnellste und effektivste Methode ist dabei die Reduzierung
der Klassengröße, damit Abstand gehalten werden kann. Deshalb fordert die LEK NRW einen
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
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priorisiertes Stufenkonzept, das die Bedarfe in den Vordergrund stellt. Andernfalls sind die Konzepte
als unzureichend zu bezeichnen. Masken und Lüftung reichen nicht zur Unterbrechung der
Infektionsketten, der dringend empfohlene Abstand muss jetzt sofort greifen.
Lieber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, liebe Bundesbildungsministerin Anja Karliczek,
liebe Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, liebe KMK-Präsidentin Dr. Stefanie Hubig,
liebe Landesschulministerin Yvonne Gebauer,
wir alle wissen, dass es kein Nullrisiko geben wird. Doch geht es Ihnen wirklich noch um die
Unterbrechung der Infektionsketten, den Gesundheitsschutz, die Bildung, die Betreuung, die
Förderung und das Wohlbefinden aller Kinder und Jugendlichen? Wo sind dann die notwendigen
Mittel und die an die RKI-Empfehlungen angepassten AHA - Konzepte?
Die LEK NRW fordert Sie auf: Stellen Sie endlich die tatsächlichen Bedarfe der Schulen in den
Vordergrund Ihres Planens und weniger Vergleichbarkeits- und Prüfungsdogmen. Wir Eltern möchten
nicht schuld an der Überlastung des Gesundheitswesens sein, weil Infektionen sich doch in den
Schulen ausbreiten. Zur Bewältigung dieser Krise, in der wir alle gemeinsam stecken, brauchen Sie
die Lehrkräfte, die Schulleitungen und uns Eltern als Bildungs- und Erziehungspartner und als
berufstätige Pflegerinnen, Gastronominnen, medizinische Angestellte, Verkäufer*innen,
Reinigungskräfte usw., die diese Verordnungen und Maßnahmen mittragen und so die Stabilität von
Demokratie und Wirtschaft ermöglichen. Lassen Sie die Schulen nicht weiter im Stich und hören Sie
den Lehrenden und Wissenschaftlern zu. Wir zweifeln die Empfehlungen und Warnungen der
Wissenschaft nicht an!
Ihr LEK NRW Vorstand!