NRW, 01.06.2020
Pm abstand und konzepte
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
c/o Stadteltern Dortmund, Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund
Mobil: 0157-36583728
Email: vorstand@lek-nrw.de
Homepage: www.lek-nrw.de
PM - Bildung zwischen Abstandregeln und Konzeptionslosigkeit
Wochenlang wurde mühsam darum gerungen unter welchen Voraussetzungen schulische Bildung für
alle Schülerinnen wieder ermöglicht werden kann. Förderschulen wurden erst seit dieser Woche
wieder geöffnet, da zum einen Konzepte zur Minderung der Ansteckungsgefahr fehlten und zum
anderen Schülerinnen pauschal unterstellt wurde, dass sie diese nicht einhalten könnten.
Immer noch werden die meisten Schulen nicht ganztägig genutzt, weil Mittel für
Zwischenreinigungen fehlen.
Plötzlich soll nun das Abstandsgebot an allen Schulen gekippt werden unter Verweis auf neuere
Studien zu Ansteckungsrisiken und Verbreitungspotential der Schülerinnen. Dabei sind diese
Studien aber nicht eindeutig und haben widersprüchliche Aussagen. Es werden zurzeit weitere
Studien zu dieser Thematik durchgeführt. Doch deren Ergebnis ist noch offen. Nun wählt die
Landesregierung die Studien aus, die für eine Öffnung der Schulen plädieren. Das Ziel ist, dass wieder
„normaler“ Unterricht stattfinden soll.
Dieses Vorgehen der Landesregierung wären riskant für die Schülerinnen und deren Familien sowie
für die Lehrerinnen. Die Folgen würden aber erst in einigen Wochen sichtbar.
„Normaler“ Unterricht setzt voraus, dass alle Lehrerkräfte wieder in der Schule unterrichten können.
Es ist aber schon jetzt abzusehen, dass nicht wenige Lehrkräfte auf Grund eines Attestes weiterhin
keinen Präsenzunterricht erteilen werden. Somit sind hohe Unterrichtsaufälle zu erwarten.
Auch Risikoschülerinnen werden weiterhin nur eingeschränkt am Unterricht teilnehmen können.
Für sie gibt es also keinen „normalen“ Unterricht, hierfür werden weiterhin andere Konzepte
benötigt.
Sollte es zu einer Gesamtöffnung ab dem 8.6. kommen, blieben noch effektiv 13 Schultage bis zu den
Sommerferien. Gleichzeitig finden aber schon Zeugniskonferenzen, mündliche Prüfungen und
Nachprüfungen statt. Für wenige zusätzlich mögliche Stunden, würde aber ein sehr großer
Planungsaufwand notwendig. Es müssten Konzepte und Stundenpläne nochmals sehr kurzfristig neu
erstellt werden. Die vordringlichste Aufgabe wäre aber die Vorbereitung des neuen Schuljahres, doch
dafür fehlen Landesvorgaben.
Die Eltern haben sich aber gerade erst auf die neuen Stundenpläne für die Zeit bis zu den
Sommerferien vorbereitet. Würde das wieder verändert, bedarf es neuer Absprachen mit
Arbeitgebern. Wenn dann auch die Notbetreuung wegfällt, fehlen Konzepte für die OGS. Die
Notbetreuung bleibt auch weiterhin wichtig, um fehlende Unterrichtstage oder -zeiten zu
überbrücken. „Normaler“ Unterricht bedeutet auch Öffnung der Mensen. Doch dazu fehlt weiterhin
ein Hygienekonzept.
Noch sind nicht einmal alle Schüler*innen angekommen in der Schule, weil Schulbegleitung entlassen
wurden, die nun fehlen. Einige Schulen lehnen weiterhin eine Beschulung und Betreuung ohne
Begleitung ab und einige Kommunen lehnen die dann notwendigen häuslichen Hilfen ab. Und dann-
Sommerferien und viele Eltern müssen wieder arbeiten gehen, weil ihr Urlaub aufgebraucht ist und
Kurzarbeit endet, doch es fehlen Betreuungsangebote für die Sommerferien.
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
c/o Stadteltern Dortmund, Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund
Mobil: 0157-36583728
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Homepage: www.lek-nrw.de
Es ist festzuhalten, nichts ist „normal“. Das Schulministerium bleibt sich seiner Linie treu, agiert sehr
kurzfristig, um alle Beteiligten zu überraschen. Die Schulen und Kommunen werden es schon
irgendwie hinbekommen, doch diese warnen.
GENUG- nicht mit uns! Wir haben uns gestern im Ministerium gemeinsam mit den anderen Eltern,-
Rektoren-, und Lehrerverbänden klar gegen einen erneuten Planwechsel bis zu den Sommerferien
ausgesprochen! Jedoch fordern wir:
•
Alle Kinder und Jugendlichen auch mit einer Benachteiligung oder Behinderung müssen von
Schulen aufgenommen werden – Sie haben ein Recht auf Bildung!
•
Alle Schülerinnen mit erhöhtem Risiko müssen im Distanzlernen häusliche Unterstützung
und hochwertige Angebote erhalten!
•
Konzepte vom Ministerium für mögliche Szenarien im neuen Schuljahr, ohne Tabus.
•
Verbindliche Betreuungsangebote für Kinder, deren Eltern in den Sommerferien wieder
arbeiten müssen.
•
(kostenfreie) Bildungs-, Ferien- und Förderangebote für alle Schülerinnen.
•
Ein Bildungskrisen-Budget für das kommenden Schuljahr, damit durch Zwischenreinigung
eine Ganztagsnutzung in allen Schulen und Schulformen ermöglich wird.
•
Anpassung der Curricula, Prüfungen und Stundentafeln fürs kommende Schuljahr!
•
Beteiligung aller Bildungsakteure bei der Erstellung der Konzepte und Pläne.
Es darf nichts unversucht gelassen bleiben, damit im kommenden Schuljahr ausreichend Raum für
schulische Bildung und Betreuung bereitgestellt wird. Schulen müssen ganztägig nutzbar sein,
zusätzliche Betreuungsräume zur Verfügung stehen. Eine tägliche und regelmäßige
Präsenzbeschulung muss im kommenden Jahr gesichert sein - egal mit welcher Abstandregel und
welcher Gruppengröße. Trotzdem dürfen Sicherheit und Gesundheit unserer Kinder und
Jugendlichen und Lehrkräfte nicht gefährdet werden!
IHR LEK NRW VORSTAND
29. Mai 2020