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Gütersloh, 09.01.2025
Ist der Lehrerberuf attraktiv oder führt uns das Schulministerium NRW an der Nase herum?
In ihrer Pressemitteilung vom 09. Dezember 2024 verkündet Frau Feller, dass der Lehrberuf wieder an Attraktivität gewinnt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch ein differenziertes Bild: Im Vergleich zum 02. Dezember 2022 ist die Personalausstattung an Schulen in Nordrhein-Westfalen (NRW) zwar auf 162.711 Stellen gestiegen – ein Zuwachs von fast 5.700 Stellen und zusätzlich 1.737 Alltagshelfenden. Insgesamt sind somit 7.400 Menschen mehr an den Schulen in NRW tätig. - Doch wie viele dieser neuen Stellen sind tatsächlich Lehrkräfte?
In der Pressemitteilung wird erwähnt, dass unter dem neuen Personal auch Schulsozialarbeiter:innen und Fachkräfte für multiprofessionelle Teams zu finden
sind. Über 10.000 Lehrkräfte – wie viele davon sind grundständig ausgebildet -
wurden neu eingestellt, doch die Frage bleibt: Wo ist der Lehrkräftemangel
geblieben? Die genaue Zahl der neu eingestellten Lehrkräfte im Saldo wird nicht
genannt. Während zusätzliche Stellen notwendig sind, bleibt der Grundbedarf an
Lehrkräften, der nur durch qualifizierte Lehrer:innen gedeckt werden kann,
unberücksichtigt. Besonders seit der Corona-Pandemie ist der sozialpädagogische
Förderbedarf gestiegen, der ebenfalls nicht ausreichend adressiert wird.
Die Expertenanhörung (01.10.2024) im Schulausschuss des Landtages NRW zeigte
ein anderes Bild: Schulleiter:innen berichten von einer verschlechterten
Personalsituation. Wie passt dies zu Frau Fellers Aussage, dass der Lehrerberuf
attraktiver geworden ist? Auch die steigende Zahl an Referendaren und
Ausbildungsplätzen (bei > 40 % Abbrecherquote) ist kein eindeutiger Indikator für
die Beliebtheit des Berufs. Der anhaltende Fachkräftemangel und die allgemeinen
Arbeitsbedingungen belasten die Lehrkräfte und tragen nicht zur Attraktivität bei.
Zudem wird der Saldo von ausscheidenden und neu eingestellten Lehrkräften nicht
kommuniziert.
Die Kultusministerkonferenz hat im November 2024 prognostiziert, dass bis 2035
in NRW rund 200.000 Schüler:innen mehr erwartet werden. Dies erfordert eine
erhebliche Anzahl zusätzlicher Lehrkräfte. Selbst bei 30 Kindern pro Klasse
bedeutet dies, dass NRW 6.600 neue Klassen benötigt, was bis 2035 einen
erheblichen Mehrbedarf von fast 2.000 Lehrkräften zur Folge hat.
Die Lücke im Lehrkräftemangel ist seit 2009 nicht kleiner geworden. Zudem
erfordert die Inklusion speziell ausgebildetes Personal mit sonderpädagogischen
Fähigkeiten. Ein Systemwechsel ist dringend notwendig, um Bildungsgerechtigkeit
zu erreichen. Der Lehrerberuf kann nicht mit einer begrenzten Anzahl von
Lehrkräften und veralteten Curricula attraktiv gestaltet werden.
Die Landeselternkonferenz NRW fordert, dass alle Beteiligten gemeinsam Konzepte entwickeln, die auch umgesetzt werden. Geldmangel darf hierbei keine Ausrede sein, denn die Investition in die Bildung unserer Kinder ist entscheidend für deren Zukunft und trägt maßgeblich zur Stärkung von Demokratie und der Wirtschaft unseres Landes bei. Nur durch ausreichende Mittel kann sichergestellt werden, dass der Lehrerberuf nicht nur attraktiv bleibt, sondern auch die Qualität von Bildung gewährleistet ist.