NRW, 01.04.2020

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Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften

c/o Stadteltern Dortmund Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund

      Mobil: 0157-36583728 






           Email: vorstand@lek-nrw.de 






           Homepage: www.lek-nrw.de 

Offener Brief – Appell an:

Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel, und an die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder

Helfen Sie Familien in NOT! Recht auf Bildung und Betreuung für ALLE – Anerkennung der Abschlüsse!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, sehr geehrte Mitglieder der Kultusministerkonferenz, sehr geehrte Damen und sehr geehrte Herren,

bei allen Herausforderungen, die die weltweite Corona-Pandemie mit sich bringt, sind die derzeitigen Bemühungen unseres Staates sowie der allermeisten Staaten hoch anzuerkennen, welche die Gesundheit und gleichzeitig das Überleben vieler Menschen schützen sollen. Viele Menschen riskieren tagtäglich ihr Leben, um das anderer zu schützen, zu versorgen oder Krankheiten zu heilen. Die Pandemie belastet die einzelnen Bundesländer mit ihren verschiedenen Bevölkerungsdichten ungleich. Uneinheitliche Vorgehensweisen setzen wiederum andere unter Druck. Im Bereich Bildung spaltet insbesondere die Debatte um die Prüfungen zunehmend Eltern-, Lehrer- und Schülerschaften und schadet den wirklich Betroffenen. Wir fordern den Blick auf die echten systemrelevanten Notwendigkeiten und Nöte zu richten! Die Außenwirkung ist fatal!

Mehrfach haben sich unzählige Verbände erfolglos an ihre jeweiligen Kultusministerinnen gewandt. Nun warnen Wissenschaftler und Gewerkschaften. Die für die Prüfungen notwendigen Ressourcen werden dringlich für die Entwicklung von Konzepten benötigt, die allen Schülerinnen und Familien helfen könnten. Ein stufenweiser bzw. schrittweiser Wiedereinstieg ist wichtig, aber erst wenn wichtige Fragen des Infektionsschutzes geklärt werden konnten und wenn Kommunen sowie Schulen ausreichend Vorbereitungszeit bekommen, um das zu organisieren. Derzeit muss der Fokus aber auf alle Familien liegen, die unsere Unterstützung brauchen, egal ob besonders gefährdet oder benachteiligt durch eine Behinderung oder Erkrankung. Insbesondere brauchen Familien Unterstützung bei der Betreuung ihrer Kinder, die für uns alles riskieren, weil sie lebensnotwendige Arbeiten übernehmen. Diese Relevanz gibt vor, welche Priorisierung notwendig ist und wo der Fokus liegen muss! Es ist unsere Pflicht sie zu unterstützen- sie alle lassen uns auch nicht im Stich!

Um uns herum sterben Menschen einsam, leiden an den Folgen von Erkrankungen, leiden darunter, dass ihnen keine Unterstützung gewährt wird, dass sie keinen Besuch bekommen können, dass sie ihren Job verloren haben, dass ihre Existenz bedroht ist oder riskieren durch ihren unermüdlichen Einsatz ihre eigene Gesundheit oder ihr Leben.

Es entsteht der Eindruck, dass Prüfungen einen Stellenwert einnehmen, welcher der augenblicklichen Situation nicht annähernd gerecht wird. Nach unserer Auffassung hat das Recht aller auf Bildung und Betreuung einen höheren Stellenwert als auf die Abschluss- Prüfungen, „lediglich“ eine abschließende Bestätigung der bereits jahrelang erbrachten Leistungen sind. Aufgrund der extrem unterschiedlichen und oft sehr belastenden Vorbereitungsmöglichkeiten sind diese Prüfungen ohnehin nicht mehr chancengerecht, sondern mit großen Benachteiligungen behaftet.
Primär müssen sich die schulischen Akteure aber nun in Kooperation mit Jugendhilfe und Gesundheitsamt um das Wohl der Schülerinnen und Schüler und der Familien kümmern und fragen, welche Hilfen brauchen die Familien und wie geht es den Kindern?!

Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften

c/o Stadteltern Dortmund Anke Staar, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund

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Die Corona-Krise macht deutlich, welchen Maximen die Bildung folgen muss:

• Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung! Per Gesetz gibt uns die UN- Behindertenrechtskonvention den Auftrag besonders auf Menschen mit Behinderungen Rücksicht zu nehmen, per Gesetz haben Familien in Deutschland den Anspruch auf eine Betreuung ihrer Kinder!
• Kein Kind und deren Familien darf zurückgelassen werden! • Chancengleichheit muss garantiert sein! • Gesundheits- und Infektionsschutz muss gewährleistet sein!

Diese Maximen sind auch bei dem nun anstehenden Schulstart zu berücksichtigen: • Gesundheits- und Infektionsschutz Die Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts müssen handlungsleitend sein. Standards für Hygiene und Infektionsschutz müssen transparent und veröffentlicht sein sowie nachvollziehbar gemeinsam mit Schulaufsicht, Schulträger und den lokalen Gesundheitsämtern entwickelt und umgesetzt werden.

• Risiko Gruppen Die besondere Gruppen kranker, vorerkrankter und chronisch kranker Schülerinnen, Lehrerinnen und weiterer Familienangehörige brauchen alle unseren Schutz! Hinzu kommen noch Schülerinnen, deren Eltern in gesundheitsrelevanten Berufen arbeiten wie Ärzte/Ärztinnen und Pflege- und Unterstützungskräfte. Infektionen haben beidseitige und direkte Auswirkungen auf die Gesundheits- oder Betreuungssysteme. Bei der Gruppe der Schülerinnen mit Schulbegleitung ist ebenfalls ein beiderseitiges Infektionsrisiko vorhanden. Für diese Risikogruppen müssen Wege gefunden werden, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen.

• Aktuelle Lernsituation der Schülerinnen und Problematik Die derzeit extrem ungleichen Bildungschancen für Kinder und Jugendliche aufgrund z.B. des Fehlens eigener digitaler Endgeräte, fehlender häuslicher Lernstrukturen sowie bestehender Sprachbarrieren, verstärken sich Benachteiligungen. Es braucht Konzepte und Mittel für: • Lernplattformen zur Bereitstellung von Materialien, Rückmeldung von Schülerinnen • Datenschutzrechtlich sichere Kommunikation zwischen Schülerinnen und Lehrerinnen telefonisch oder besser per Video, Meetings für Arbeitsgruppen oder Klassen • Verlässliche Ausstattung von Schüler*innen mit Endgeräten unter Beachtung der finanziellen Situation von Familien

• Schrittweise Öffnung der Schulen Die Schulen sind für die Schülerinnen heute Lern- und Lebensraum. Das vordringliche Ziel muss es deshalb sein, alle Schulen, auch Förderschulen wieder zu öffnen. Schülerinnen mit Förderbedarf und deren Familien bedürfen einer verstärkten Unterstützung, Schulbegleitungen müssen ermöglicht werden. Die Öffnung wird nur schrittweise möglich sein und stellt die Schulen vor große organisatorische Herausforderungen. Das Angebot muss Betreuung und schulische, wie häusliche Bildung vereinen, um weiterhin Eltern in systemrelevanten Bereichen zu unterstützen.

• Schulen brauchen Vorbereitungszeit für die Wiedereröffnung Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften

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Es ist unabdingbar, dass Schulträger, Schulen und die Familien ausreichend vorher erfahren wie, wann und mit wem der Schulbetrieb wiederbeginnen soll. Schulträger müssen die hygienischen Standards sicherstellen und dafür beispielsweise den Reinigungsintervall erhöhen und an veränderte Unterrichtszeiten und Hygienestandards anpassen. Schulträger müssen auch die Neutaktung und Frequenz des ÖPNV umstellen. Schulen müssen die Betreuung und den Unterricht neu organisieren.

Abhängig von der epidemiologischen Entwicklung zeichnet sich deutlich ab, dass es noch lange Zeit brauchen wird, bis Schulen wieder einen Vollbetrieb aufnehmen können. Bis dahin bleibt eine Vielzahl (derzeitige öffentliche Schätzung bei über 30%) von Schülerinnen, Lehrerinnen und ihre Familienangehörige besonders gefährdet. Solange es keine wirksamen Medikamente oder Impfungen gibt, brauchen diese Personen einerseits besonderen Schutz und dürfen gleichzeitig nicht ausgeschlossen werden. Ihnen muss eine gesellschaftliche Teilnahme ermöglicht werden und Hilfen gegeben werden. Wie diese Beteiligung flächendeckend gelingen kann, wurde bisher viel zu wenig diskutiert. All diese Aufgaben und Herausforderungen müssen jetzt geplant und organisiert werden. Dazu benötigen alle schulischen Akteure Planungszeiten und Handlungsressourcen unter der Berücksichtigung, dass viele Lehrerinnen zur der besonders gefährdeten Personengruppe gehören und nicht schulisch verfügbar sind. Stoppen Sie bitte die Prüfungsdiskussion und nutzen die freiwerdenden Ressourcen, weil: • Die Prüfungen durch viele widrige Umstände ohnehin nicht mehr gleichwertig sind! • Die Angst besonders gefährdeter Schülerinnen, Eltern und Lehrerinnen unterschätzt wird! • Die ungleichen Vorbereitungsmöglichkeiten und vielfältigen Belastungen zu wenig Berücksichtigung finden! • Eine Beteiligung besonders betroffener Schülerinnen oder mit Corona im Kontakt gekommen, nicht garantiert werden kann! • Viele andere Familien sind in Not und brauchen Hilfe! • Sie mit diesem Vorgehen Schüler-, Eltern- und Lehrerschaften spalten – nach dem Motto der politisch Stärkere gewinnt!

Die Gesundheit, notwendige Betreuung und Bildungsangebote sind nun für ALLE sind wichtig!

Die Menschen wollen zusammenhalten und müssen vertrauen können. Wir brauchen nun Ihren Mut:
Gesundheit, Bildung und Betreuung, muss vor Prüfungen stehen! Es liegt in Ihrer Verantwortung, die Not vieler Familien nun mit entsprechenden Angeboten schnell zu lindern und niemanden zurück zu lassen. Wir erwarten, dass Sie eine einheitliche Entscheidung treffen und die bundesweite Anerkennung aller Abschlüsse – ohne Prüfungen- wie es die Nachbarstaaten vormachen!

Die systemrelevanten Familien, die vielen Menschen in Not brauchen SIE nun an unserer Seite!

Mit freundlichen Grüßen Ihr Vorstand der LEK NRW

Anke Staar

Dr. Jan N. Klug

Andrea Lausberg- Reichardt Dr. Ulrich Meier Stefanie Krüger-Peter

Karla Foerste Christian Beckmann

Astrid Bauer

Werner Volmer