NRW, 01.12.2022
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Forderungen zu sozialpolitischen
Notmaßnahmen
Steigende Lebenshaltungskosten, eine Inflation von über 10% und die Ungewissheit
um Gaspreise führen bis weit in die Mittelschicht der Gesellschaft zu Armuts
tendenzen. Nicht nur die Menschen und Familien, die bisher in Armut oder an der
Armutsgrenze gelebt haben, sind von den Preissteigerungen betroffen. Für immer
mehr Familien stellt sich die Frage, wie sie die Miete, die Energiekosten oder die
Kosten für Lebensmittel im kommenden Monat noch bezahlen können. Auch die
jenigen, die über sichere und bisher gute Einkommen verfügt haben, sehen sich vor
die Herausforderung gestellt, die steigenden Kosten abzufangen.
Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe diesen drohenden Anstieg von Armut
zu verhindern. Wir richten unseren Blick insbesondere auf alldiejenigen, die sich im
Bildungssystem befinden. Perspektivisch und gerade auch mit Blick auf den kom
menden Winter befürchten wir hier weitere Härten. Wir sind davon überzeugt, dass
Bildungs und Sozial politik zusammengedacht werden müssen.
Die aktuelle Situation – in Zusammenhang mit dem eklatanten Fach und Lehr
kräftemangel – verdichtet sich zu einer sozialen Krise und verschärft die bereits vor
der CoronaPandemie existenten ungleichen Bildungschancen. Politik muss hier
entschieden eingreifen und gegensteuern – es besteht dringender Handlungs bedarf
seitens der Landesregierung.
Wir fordern die Landesregierung auf, sozialstaatlich einzugreifen und gezielte
Entlastungen umzusetzen.
3 Milliarden für sozialpolitische Maßnahmen
Warmes Essen in Kitas und Schulen
Ein warmes Essen ist in dieser Zeit das Minimum, für das die Landesregierung für unsere
Kinder und Jugendlichen sorgen muss. Wir fordern die Landesregierung auf, in Kinder
tages stätten und Schulen für kostenfreies Mittagessen für Kinder und Jugendliche zu
sorgen. Dafür muss die Landesregierung mit den Trägern und Betreibern der Mensen
eine Übernahme aller Kosten vereinbaren. Warmes Essen über den Winter für alle, das
ist eine zeitgemäße Forderung angesichts der steigenden Preise, die Familien gezielt
entlastet und soziale Ungleichheiten auffängt. Bis zum Ende des Schul und Kitajahres
rechnen wir mit Kosten von circa 1,3 Milliarden Euro.
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Beitragsfreiheit für Kitas und Schulen
Eine weitere Maßnahme, die zu deutlichen Entlastungen führen würde, wäre die Entlastung
von Kita und OGSBeiträgen. Gerade in der aktuellen Situation fällt es vielen Familien schwer,
KiTa bzw. OGSBeiträgen zu zahlen bzw. wird es in der kommenden Zeit immer schwerer fallen.
Wir sind der Auffassung, dass Bildung grundsätzlich kostenfrei sein sollte – in der jetzigen
Situation ist es ein Gebot von Chancengleichheit, die Beiträge zu übernehmen. Grundsätzlich
darf Kostenfreiheit nicht zulasten der Qualität gehen, das Land steht in der Pflicht, hier
finanziell unterstützend einzugreifen. Eine unkomplizierte Hilfe für alle Familien wäre in der
jetzigen Situation geboten, perspektivisch sollte die Landesregierung prüfen, wie zukünftig in
ähnlichen Situationen, gezielt und eventuell gestaffelt entlastet werden kann.
Für die Schulen gilt, für eine echte Beitragsfreiheit zu sorgen. Die als „heimliches Schulgeld“
bekannten zusätzlichen Kosten für die Anschaffung von Büchern, Zubehör für digitale Medien,
Klassenkasse, Kopiergeld, Toilettengeld, Bastelgeld, Klassenfahrten etc. belasten Familien
finanziell immens. Daher brauchen Schulen eine echte Lernmittelfreiheit, damit Familien von
diesen Kosten befreit werden. Dieses „heimliche Schulgeld“ muss dauerhaft abgeschafft werden.
Wir kalkulieren für diese Maßnahmen mit insgesamt 0,7 Milliarden Euro.
Studierende unterstützen!
Die Bundesregierung hat für Studierende eine Einmalzahlung von 200 Euro beschlossen. Das
reicht aus unserer Sicht nicht aus und wird den gestiegenen Bedarfen in keiner Weise gerecht.
Seit der CoronaPandemie gehen die Studierendenzahlen bundesweit zurück, das liegt in
erster Linie an der finanziellen Unsicherheit und wird nun durch steigende Kosten verstärkt.
Aus diesem Grund muss die Landesregierung für Studierenden in NRW eine zusätzliche
Entlastung auf den Weg bringen. Zunächst ist die Einmalzahlung an Studierende durch das
Land um weitere 400 Euro erhören. Das wären Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro.
Des Weiteren wäre es sinnvoll, den Studierenden in den Mensen eine vollwertige Mahlzeit
zu einem Preis von maximal 2,50 Euro anbieten zu können. Um dies bis zum Ende des
Sommersemesters zu gewährleisten, müssen die Studierendenwerke finanziell mit rund 180
Millionen Euro unterstützt werden. Daneben sind die Studierendenwerke so zu unterstützen,
dass der studentische Wohnraum rückwirkend zum 01.01.2022 zunächst befristet bis zum
31.12.2023 nicht von Mietsteigerungen betroffen sein wird. Dafür rechnen wir mit einer
weiteren Unterstützung der Studierendenwerke in Höhe von circa 300 Millionen Euro.
Unterstützung bei Gas und Strompreisen
Die Träger der Kindertagesstätten und die Hochschulen sind von den gestiegenen Preisen
ebenfalls stark betroffen. Damit die steigenden Kosten nicht zulasten der Beschäftigten gehen,
muss das Land hier unterstützend eingreifen und die Einrichtungen über finanzielle Hilfen ent
lasten. Ziel dabei sollte sein, die gestiegenen Kosten auf Seiten der Träger und Hochschulen
so aufzufangen, dass weder die Beschäftigten noch Lehre und Forschung dadurch Nachteile
erleiden müssen. Mit der RuhrUniversität Bochum hat sich nun die erste Hochschule
gezwungen gesehen, angesichts der hohen Energiekosten einen Einstellungsstopp auszu
sprechen, der auf Kosten der Forschung und Lehre gehen wird. Für die Kindertagesstätte
rechnen wir mit ungefähr 70 Millionen Euro. Bei den Hochschulen gehen wir von einer
Größen ordnung von 200400 Millionen Euro aus.
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Christian Beckmann
Landeselternkonferenz NRW
Heike Riedmann Daniela Heimann
LEB Landeselternbeirat NRW
Ayla Çelik
GEW NRW
Ken Alan Berkpinar
LandesAStenTreffen NRW
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