NRW, 01.03.2020
Lek pm corona e
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
c/o Stadteltern Dortmund, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund
Mobil: 0157-36583728
Email: vorstand@lek-nrw.de
Homepage: www.lek-nrw.de
PRESSEMITTEILUNG
Informationsflut verunsichert Eltern
Täglich melden sich immer mehr besorgte Eltern, die durch eine Vielzahl
unseriöser, aber auch seriöser Meldungen stark verunsichert werden. Das
Schulministerium hat diese Woche Handlungsempfehlungen an alle Schulen
herausgegeben, verweist aber darauf, dass die Hoheit über Schutzmaßnahmen
die Gesundheitsbehörden unter Aufsicht des Ministeriums für Arbeit,
Gesundheit und Soziales haben. Evtl. Maßnahmen werden dann von den
kommunalen Gesundheitsämtern Vorort entschieden. Aber die Verantwortung
für schulische Veranstaltungen und Fahrten sollen Schulleitungen tragen. So
müssen die einzelnen Schulleiterinnen allein die Lage bewerten, ob sie trotz
hoher finanzieller Verluste Veranstaltungen und Fahrten absagen oder das
Risiko eingehen sie durchzuführen. Dadurch kommt es zu sehr
unterschiedlichen Handhabungen an den Schulen.
Die Verantwortung wird damit von der politischen Entscheidungsebene und
höchsten Verwaltungsebene so tief wie möglich abgewälzt - auf die
Schulleitung. Niemand möchte aber auf Grund der sich ständig verändernden
Situation zu spät oder zu früh reagieren. Dennoch wird ein Laie zum
verantwortlichen Entscheider über gesundheitliche Schutzmaßnahmen.
Diese sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen innerhalb einer Kommune
verstärken Ängste, die zunehmend zu Verwerfungen eines normalen Umgangs
führen. Um weitere Verschärfungen zu verhindern, sollten angesetzte Ausflüge,
Veranstaltungen oder Klassenfahrten nicht mehr allein von der Schulleitung
bewertet werden, sondern müssen entweder situationsorientiert und
prozessbeteiligt von den jeweils betroffenen Schülerinnen, Eltern und
Lehrerinnen gemeinsam neu bewertet werden oder allgemein durch das
Ministerium geregelt werden. Niemand kann vorhersehen oder Sicherheiten
versprechen, ob Kinder sich nicht auf Veranstaltungen, in Reisegebieten oder
Vorort anstecken und dann evtl. wegen Infektions-Verdacht in Quarantäne
genommen werden.
Um Druck aus dieser unsicheren Situation für Schülerinnen, Eltern und
Lehrer*innen zu reduzieren, sollten die anstehenden Fahrten und
Veranstaltungen derzeit nicht mehr als schulische Pflichtveranstaltung
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
c/o Stadteltern Dortmund, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund
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durchgeführt werden, sondern müssen ein freiwilliges Angebot werden, das
verbindlich mit allen Betroffenen neu zu bewerten ist. Dies bedeutet aber auch,
dass die Schüler*innen auf Grund der allgemeinen Schulpflicht weiterhin zur
Schule gehen müssen. Weil Schulen aber Zwangsgemeinschaften sind und
Eltern ihre Kinder nicht zur Vorsorge von der Schulpflicht entbinden können,
sollten in allen Schulen auch alle Akteure zur Risiko- und Folgenbewertung ein
Recht auf Information erhalten.
Es ist aber überhaupt nicht hinnehmbar, dass Familien verspottet, belächelt
oder ausgegrenzt werden, weil sie Ängste haben und noch weniger zu dulden,
dass Menschen anderer Herkunft gemieden oder gemobbt werden, nur weil sie
erkältungsähnliche Symptome zeigen.
Sollte die Gefahrenlage aber tatsächlich größer sein als bislang bekannt, dann
sehen wir die zuständigen Ministerien MAGS und MSB, sowie die
Landesregierung in der vollen Verantwortung umgehend einheitliche
Entscheidungen zu treffen, die für alle Kommunen und Schulen gültig sein
müssen.
Corona wird zu einem Stresstest unseres Notfallmanagements und ein
Belastungstest für unsere Demokratie und Solidarität. Somit bleibt Angst ein
schlechter Ratgeber, aber diese zu ignorieren, ist eine noch viel schlechtere
Option.