NRW, 09.12.2020
Landeselternschaft fsge pm unterricht foerderschulen 2020 12 09
Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW Landeselternkonferenz NRW
Pressemitteilung – 09.12.2020
Hilferuf von Eltern in ganz NRW an Ministerin Gebauer:
Dramatischer Unterrichtsausfall an Förderschulen nicht länger akzeptabel
Eltern aus ganz NRW protestieren gegen den kalkulierten und lange anhaltenden Unterrichtsausfall an
Förderschulen Geistige Entwicklung, der sich für ihre Kinder besonders negativ auswirkt. Die Situation an
den Förderschulen ihrer Kinder beschreiben sie in einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit und
einem Brandbrief an Bildungsministerin Yvonne Gebauer als dramatisch. Ihren Erhebungen zufolge fallen
seit den Sommerferien an der Hälfte dieser Förderschulen durchschnittlich vier bis fünf Zeitstunden
Unterricht wöchentlich aus, geplant und langfristig angekündigt. Hinzu kommt weiterer Unterrichtsausfall,
wenn Lehrkräfte kurzfristig ausfallen oder wenn Kinder in Quarantäne sind.
„Dieser Zustand ist für uns nicht akzeptabel, insbesondere auch im Vergleich mit anderen Schulformen“,
heißt es in dem Schreiben an Ministerin Gebauer. „Für unsere Kinder wiegt Unterrichtsausfall besonders
schwer, denn Lernen auf Distanz ist faktisch nicht möglich.“ Die Eltern bekräftigen: „Unsere Kinder haben
das Recht auf Bildung und soziale Teilhabe wie alle anderen Kinder“
Bernd Klagge, Initiator der Erklärung im Namen der Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt
geistige Entwicklung NRW: „Viele Eltern von geistig beeinträchtigten Kindern haben bereits resigniert.
Während des Lockdowns im Frühjahr hat für ihre Kinder keinerlei Bildung stattgefunden, Lernen auf Distanz
ist für geistig beeinträchtigte Kinder nicht möglich. Und nach den Sommerferien ist es mit Einschränkungen
weitergegangen, die für diese Kinder besonders hart ausfallen.“
Die Eltern fordern sowohl kurzfristige als auch mittel- und langfristige Maßnahmen, um die Benachteiligung
ihrer Kinder abzustellen. Ministerin Gebauer fordern sie auf, hierfür einen hochrangig besetzten Runden
Tisch einzuberufen, an dem auch Vertreterinnen und Vertreter der Lehrkräfte teilnehmen, etwa von der
Fachgruppe Sonderpädagogische Berufe in der GEW NRW und vom Verband Sonderpädagogik NRW.
Auch die Landeselternkonferenz NRW unterstützt dieses Anliegen, Vorsitzende Anke Staar ist verärgert:
„Gerade während der Corona-Krise muss es uns wichtig sein, dass Kinder mit einer Behinderung und/oder
mit Förderbedarf ihr Recht auf individuelle Förderung und Unterstützung behalten. Doch die Vorgaben des
Ministeriums berücksichtigen die Konsequenzen für diese Kinder nur unzureichend.“
Die Vorsitzende der Landeselternschaft Förderschulen Geistige Entwicklung NRW, Tanja Speckenbach, hofft auf
eine erste Antwort der Ministerin noch vor Weihnachten, wie den Missständen entgegengewirkt werden
kann: „So könnten wir als Eltern mit einer gewissen Zuversicht ins neue Jahr blicken.“
Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung
Bernd Klagge, Telefon 0151 5017 1239
Steffen Uschmann, Telefon 0151 5442 8900
E-Mail kontakt@lefsge-nrw.de
Anhänge
•
Erklärung von Eltern von Kindern an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
in NRW zu den erheblichen Unterrichtsverkürzungen
•
Schreiben der Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW und
der Landeselternkonferenz NRW an Bildungsministerin Yvonne Gebauer vom
•
Ergebnisse der Elternumfrage zum Thema Unterrichtsverkürzung an Förderschulen mit Schwerpunkt
Geistige Entwicklung in NRW im November 2020
v1.2 | Dezember 2020 | Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW | Kontakt: kontakt@lefsge-nrw.de
Unsere Kinder haben das Recht auf Bildung und soziale Teilhabe wie alle anderen Kinder
Erklärung von Eltern von Kindern an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt
Geistige Entwicklung in NRW zu den erheblichen Unterrichtsverkürzungen
Stellen Sie sich vor,
die Eltern der Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums würden darüber informiert, dass bis auf weiteres ein
Unterrichtstag pro Woche ausfällt. Oder stellen Sie sich vor, dass seit den Sommerferien an der Hälfte aller Gymnasien
in NRW der Unterricht um durchschnittlich vier bis fünf Zeitstunden pro Woche verkürzt ist, für alle Schülerinnen und
Schüler, ohne ein verlässliches Enddatum für diese Maßnahme. Wir freuen uns, dass dem nicht so ist!
Unsere Kinder besuchen keine Gymnasien, sondern Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
in NRW. Eine Befragung von Elternvertreterinnen und Elternvertretern hat ergeben, dass an der Hälfte der Schulen
seit den Sommerferien der Unterricht um durchschnittlich vier bis fünf Zeitstunden pro Woche verkürzt ist, an
einzelnen Schulen bis zu acht Stunden. Hinzu kommt weiterer Unterrichtsausfall, wenn Lehrkräfte kurzfristig
ausfallen oder wenn Kinder in Quarantäne sind.
Unsere Kinder sind herausfordernd. Sie brauchen viel Unterstützung in der Schule, in der Familie und in der Freizeit:
•
Selbstständiges Lernen auf Distanz können unsere Kinder faktisch nicht leisten. Bei Unterrichtsausfall findet für
sie keine Bildung statt, außer wir als Eltern haben die Zeit und die Qualifikation zur Ersatzlehrkraft, oder eine
andere Unterstützung zu Hause wird ermöglicht. Dies geht allerdings oft auf Kosten unserer beruflichen
Tätigkeit. An ein Arbeiten im Home-Office parallel zum Lernen auf Distanz unserer Kinder ist nicht zu denken.
•
Die Schule ist für unsere Kinder das Zentrum ihrer sozialen Kontakte zu anderen Kindern. Wir unterstützen
unsere Kinder im Aufbau und der Pflege von Freundschaften außerhalb der Schule, doch das ist schwierig und
erfordert fast immer Aufsicht und Anleitung. Ohne Schule sind viele unserer Kinder sozial isoliert.
•
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für uns Eltern eine Illusion, wenn wir nicht nur in allen Schulferien
eine Betreuung für unsere Kinder organisieren müssen, sondern auch noch bei erheblichem Unterrichtsausfall.
Unsere Kinder haben das Recht auf Bildung und soziale Teilhabe wie alle anderen Kinder.
In den letzten Monaten haben wir erlebt, wie engagiert die Kollegien und Leitungen unserer Schulen waren, um unseren
Kindern den Unterricht weitestgehend zu ermöglichen. Der eklatante Lehrkraftmangel, verschärft durch die Corona-
Krise, hat diesem Engagement Grenzen gesetzt.
Deshalb wenden wir uns an die NRW-Landesregierung, die Bezirksregierungen und die Kommunen:
•
Wir fordern die Verantwortlichen auf, umgehend ein aktiv beworbenes und finanziell attraktives Programm
aufzulegen, um Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung und ggf. andere
Förderschulen mit zusätzlichem geeignetem Personal auszustatten. Sofern kurzfristig keine ausgebildeten
Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen verfügbar sind, muss versucht werden, andere Lehrkräfte mit
Inklusionserfahrung, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, andere Pädagoginnen und Pädagogen,
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter u.ä. zu gewinnen, auch mit finanziellen Anreizen.
•
Wir fordern, dass Kinder mit Anspruch auf Integrationsassistenzen von diesen beim Lernen auf Distanz zu
Hause unterstützt werden, ohne bürokratischen Hürdenlauf. Dafür benötigen die Eltern kommunale
Anlaufstellen, die die Koordination übernehmen. Auch Eltern von Kindern mit Förderbedarf, aber ohne
Schulbegleitung brauchen Unterstützung, ersatzweise die Erstattung der finanziellen Aufwendungen für privat
organisierte Betreuung beim Lernen auf Distanz.
•
Wir fordern die Landesregierung auf, umgehend die Ausbildung von Sonderpädagoginnen und
Sonderpädagogen auszuweiten, damit sie den realen Bedürfnissen Rechnung trägt.
Anlagen:
•
Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner & Kontakt
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Schreiben an NRW-Schulministerin Gebauer vom 07.12.2020
•
Ergebnisse der Elternumfrage zum Thema Unterrichtsverkürzung an Förderschulen
mit Schwerpunkt geistige Entwicklung in NRW im November 2020
Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW | Kontakt: kontakt@lefsge-nrw.de
Unsere Kinder haben das Recht auf Bildung und soziale Teilhabe wie alle anderen Kinder
Erklärung von Eltern von Kindern an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt
Geistige Entwicklung in NRW zu den erheblichen Unterrichtsverkürzungen
Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner (Stand: 09.12.2020)
(Die Schule hinter einem Namen bezeichnet die Schule des Kindes)
Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW e.V.
Tanja Speckenbach, Vorsitzende der Landeselternschaft der
Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW e.V.,
Mosaik-Schule Grevenbroich, Schulpflegschaftsvorsitzende
Barbara Peters, 1. stv. Vorsitzende der Landeselternschaft der
Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW e.V.,
Jordan-Mai-Schule Gladbeck, Schulpflegschaftsvorsitzende
Isabel Altmann, Vorgebirgsschule Alfter
Betül Basaran, Pestalozzi-Schule Köln
Thomas Bauer, Kleebach-Schule Aachen
Arkadi Belousov, Johannes-Falk-Haus Hiddenhausen Kirchenkreis
Herford
Olga Belousov, Johannes-Falk-Haus Hiddenhausen Kirchenkreis Herford
Andreas Beutgen, Johannes-Schule Bonn, Schulpflegschaft, Schulverein,
Förderverein, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft Bonn und der
Schulgruppe Förderschulen Bonn
Carmen Blöbaum, Schule Wittekindshof, Schulpflegschaft
Melanie Caporale Alves, Don-Bosco-Schule Lippstadt, Schulpflegschaft
Darius Cichon, Johannes-Falk-Haus Hiddenhausen,
Schulpflegschaftsvorsitzender
Raymund Daners, Franz-Marc-Schule Düsseldorf,
Fördervereinsvorsitzende
Petra Dausend, Schule am Nordpark Wuppertal,
Schulpflegschaftsvorsitzende
Doloreza Dautaj, Königin-Juliana-Schule Bonn
Hedwig Esch, Vorgebirgsschule Alfter
Fatima Fares, Pestalozzischule Köln, Schulpflegschaft
Mehrnaz Fayyaz, Franz-Marc-Schule Düsseldorf
Sandra Feller, Martin-Buber-Schule Leichlingen, Schulpflegschaft
H.-Ulich Frerich, Pauline-Schule Paderborn
Julia Gamann, Don-Bosco-Schule Lippstadt, Schulpflegschaft
Jesus Garcia Merino, Königin-Juliana-Schule Bonn
Alfred Glaser-Altmann, Vorgebirgsschule Alfter
Andreas Glitza, Franz-Marc-Schule Düsseldorf
Christian Gründer, Don-Bosco-Schule Lippstadt, Schulpflegschaft
Oguz Güven, Königin-Juliana-Schule Bonn, stv.
Schulpflegschaftsvorsitzender
Daniela Halfmann, Pestalozzischule Köln, Schulpflegschaftsvorsitzende
Raphael Hallmann, Jordan-Mai-Schule in Gladbeck
John Heinrich, Vorgebirgsschule Alfter
Petra Heinrich, Franz-Marc-Schule Düsseldorf
Heike Hering, Martin-Buber-Schule Leichlingen, stv.
Schulpflegschaftsvorsitzende
Daisy Holewa, Schule am Schwalbenweg Herne
Christiane Jasper, Franz-Marc-Schule Düsseldorf
Susanna Karan, Don-Bosco-Schule Lippstadt, Schulpflegschaft
Dagmar Kirsche, Königin-Juliana-Schule Bonn
Bernd Klagge, Königin-Juliana-Schule Bonn, Stadtschulpflegschaft Bonn
Ramona Koschorek, Jordan Mai Schule Gladbeck, Schulpflegschaft,
Schulkonfernz
Jennifer Kreuz, Schillerschule in Oberhausen,
Schulpflegschaftvorsitzende
Andreas Krick, Papst-Johannes-Schule Münster,
Schulpflegschaftsvorsitzender
Sabine Krumbach, Vorgebirgsschule Alfter, Schulpflegschaft
Svenja Kruse-Glitza, Franz-Marc-Schule Düsseldorf,
Schulpflegschaftsvorsitzende
Detlev Kruse, Johannes-Falk-Haus Hiddenhausen Kirchenkreis Herford
Sabine Kruse, Johannes-Falk-Haus Hiddenhausen Kirchenkreis Herford
Lutz Matthias Kunicke, Vorgebirgsschule Alfter, Schulpflegschaft,
Elternbeirat, Kassenwart Förderverein
Barbara Lavecchia, , Franz-Marc-Schule Düsseldorf
Reinhard Lindemann, Pauline-Schule Paderborn, Schulpflegschaft
Christina Lorscheid, Königin-Juliana-Schule Bonn
Stefan Lorscheid, Königin-Juliana-Schule Bonn
Hermann Machner, Michaelis- Schule Gütersloh,
Schulpflegschaftsvorsitz
Stefanie Manshardt, Hermann-Schmidt-Schule, stv.
Schulpflegschaftsvorsitzende
Christiane Mayr-Kölsch, Franz-Marc-Schule Düsseldorf, stv.
Schulpflegschaftsvorsitzende
Daniela Morawitz, Don-Bosco-Schule Lippstadt, Schulpflegschaft
Martina Ostendorf, Don-Bosco-Schule Recke,
Schulpflegschaftsvorsitzende
Elizabeth Ouardighi, Franz-Marc-Schule Düsseldorf, Schulpflegschaft
Nadine Peters, Martin-Buber-Schule Leichlingen,
Schulpflegschaftsvorsitzende, 2te Vorsitzende Schulverein
Sandra Pitscher, Kämpenschule Witten, Schulpflegschaft
Beate Prante-Frerich, Pauline-Schule Paderborn
Andreas Reckels, Förderschule Redwitzstraße Köln
Margot Pelzer, Förderschule Redwitzstraße Köln
Jenny Rexhausen, Königin-Juliana-Schule Bonn, stv.
Schulpflegschaftsvorsitzende
Sébastien Rexhausen, Königin-Juliana-Schule Bonn
Gerd Röttgen, Förderschule Auf dem Sandberg Köln,
Schulpflegschaftsvorsitzender
K. Rostock-Hobohm, Vorgebirgsschule Alfter, stv.
Schulpflegschaftsvorsitzende
Meike Roth, Pestalozzischule Köln
Frank Roth, Pestalozzischune Köln
Beate Sander, Vorgebirgsschule Alfter
Xenia Sawadski, Johannes-Falk-Haus Hiddenhausen Kirchenkreis
Herford
Daniela Schlutz, Schule Haus Freudenberg Kleve, Schulpflegschaft,
Schulkonferenz
Stefanie Schmidt, Don-Bosco-Schule Lippstadt, Schulpflegschaft
Claudia Schmitt, Franz-Marc-Schule Düsseldorf, Schulpflegschaft
Christiane Schwart, Franz-Marc-Schule Düsseldorf, Schulpflegschaft
Michaele Stratmann-Priess, Don-Bosco-Schule Lippstadt,
Schulpflegschaft
Stefanie Stravoravdis, Kämpenschule Witten,
Schulpflegschaftsvorsitzende
Alexandra Ströder, Vorgebirgsschule Alfter,
Schulpflegschaftsvorsitzende
Anna Szargut, Königin-Juliana-Schule Bonn
Susanne Tewes, Königin-Juliana-Schule Bonn, stv.
Schulpflegschaftsvorsitzende
Nicole Thelen, Kleebach-Schule Aachen
Daniela Thöne, Don-Bosco-Schule Lippstadt, stv.
Schulpflegschaftsvorsitzende
Berthold Trapp, Förderschule Redwitzstraße Köln
Britta Trapp, Förderschule Redwitzstraße Köln
Gudrun Triebel, Schule am Tetraeder Bottrop,
Schulpflegschaftsvorsitzende
Steffen Uschmann, Pauline-Schule Paderborn
Matthias Vierhuis, Schillerschule Oberhausen, Schulpflegschaft,
Schulkonferenz
Marcel Weber, Martin-Buber-Schule Leichlingen, Schulpflegschaft,
Förderverein
Regina Weber, Pestalozzischule Köln
Olga Weiß, Vorgebirgsschule Alfter
Christina Wendland, Franz-Marc-Schule Düsseldorf, Schulpflegschaft
Manuel Wengenmayer, Franz-Marc-Schule Düsseldorf
Andreas Wulff, Don-Bosco-Schule Lippstadt,
Schulpflegschaftsvorsitzender
Landeselternschaft der Förderschulen
mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW
Landeselternkonferenz NRW
Kontakt: Bernd Klagge, Wiener Str. 18, 53117 Bonn
Telefon: 0151 5017 1239
E-Mail kontakt@lefsge-nrw.de
An Frau Ministerin Yvonne Gebauer Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW 40190 Düsseldorf E-Mail poststelle@msb.nrw.de
Dramatischer Unterrichtsausfall an Förderschulen Geistige Entwicklung, Erklärung von Eltern von Kindern mit Förderbedarf Geistige Entwicklung
07.12.2020
Sehr geehrte Frau Ministerin Gebauer,
sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind Eltern von Kindern mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung. Die Situationen an den Förderschulen
unserer Kinder ist dramatisch: Seit den Sommerferien fallen an der Hälfte dieser Schulen durchschnittlich vier
bis fünf Zeitstunden Unterricht wöchentlich aus, geplant und langfristig angekündigt. Hinzu kommt weiterer
Unterrichtsausfall, wenn Lehrkräfte kurzfristig ausfallen oder wenn Kinder in Quarantäne sind.
Dieser Zustand ist für uns nicht akzeptabel,
insbesondere auch im Vergleich mit anderen Schulformen. Für unsere Kinder wiegt Unterrichtsausfall
besonders schwer, denn Lernen auf Distanz ist faktisch nicht möglich.
Mit der von vielen Eltern getragenen Erklärung im Anhang
wenden wir uns an Sie und fordern sowohl kurzfristige als auch mittel- und langfristige Maßnahmen,
um diese Benachteiligung unserer Kinder zu beenden.
Wir bitten um ein zeitnahes persönliches Gespräch möglichst in Form eines Runden Tisches,
das Ihrerseits hochrangig besetzt ist und an dem auch Vertreterinnen und Vertreter der Lehrkräfte
teilnehmen, etwa von der Fachgruppe Sonderpädagogische Berufe in der GEW NRW und von dem
Verband Sonderpädagogik NRW. Notfalls wäre auch die Form einer Videokonferenz möglich.
Mit freundlichen Grüßen
Tanja Speckenbach (Vorsitzende Landeselternschaft Förderschulen Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW)
Barbara Peters (stv. Vorsitzende Landeselternschaft Förderschulen Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW)
Anke Staar (Vorsitzende Landeselternkonferenz NRW)
Stefanie Krüger-Peter (Beisitzerin Vorstand Landeselternkonferenz NRW)
Bernd Klagge (Stadtschulpflegschaft Bonn für die Königin-Juliana-Schule)
Steffen Uschmann (Pauline-Schule Paderborn)
Svenja Kruse-Glitza (Franz-Marc-Schule Düsseldorf)
Dagmar Kirsche (Königin-Juliana-Schule Bonn)
Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW | Kontakt: kontakt@lefsge-nrw.de
Ergebnisse der Elternumfrage zum Thema Unterrichtsverkürzung
an Förderschulen mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung in NRW
im November 2020
Vorbemerkung:
Betrachtet wird die geplante Unterrichtsverkürzung über längere Zeit wegen Lehrkraftmangel, Corona,
langfristige Krankheit. Nicht berücksichtigt ist, wenn Unterricht für Schülerinnen und Schüler ausfiel, weil diese
Corona-infiziert oder als Kontaktpersonen in Quarantäne waren.
Ergebnisse:
•
Es liegen Elternrückmeldungen von 39 NRW-Förderschulen mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung vor.
•
An 18 dieser Schulen hat es keine Unterrichtsverkürzung gegeben, weder nach den Sommerferien noch nach
den Herbstferien.
•
An den anderen 21 Schulen ist seit den Herbstferien der Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler verkürzt,
an 19 dieser Schulen bereits seit den Sommerferien, an zwei dieser Schulen bereits deutlich länger.
•
Die wöchentliche Unterrichtsverkürzung an den betroffenen Schulen liegt bei durchschnittlich etwa 4,5
Zeitstunden. Die Bandbreite reicht von 2 bis 8 Zeitstunden, oft verteilt auf mehrere Tage. An einer Schule ist
zeitweise ein Unterrichtstag pro Woche ausgefallen.
•
Als Gründe für die Unterrichtsverkürzung werden in erster Linie Lehrkraftmangel und Corona angegeben.
•
Nicht für alle Schulen wurden Angaben zu den folgenden Punkten gemacht:
o
In den meisten betroffenen Schulen sind die Eltern angemessen über die Entscheidung zur
Unterrichtsverkürzung informiert oder sogar in deren Ausgestaltung eingebunden worden. (13 von
15)
o
Eine Notbetreuung während der ausfallenden Unterrichtszeit wird an 60% der betroffenen Schulen
angeboten. (7 von 12)
o
Hausaufgaben statt des ausgefallenen Unterrichts gibt es an 55% der betroffenen Schulen. (6 von 11)
Zusätzliche Anmerkungen aus einigen Rückmeldungen:
•
Es finden keine übergreifenden Aktionen oder AGs statt und kein Lehrerwechsel zwischen Lerngruppen.
•
Die Schule hat sich seit der Pandemie sehr bemüht, im Rahmen der Möglichkeiten gute und flexible Angebote
zu machen. Wir sind mit dem Umgang mit der Situation zufrieden.
•
Kein Schwimm- und Sportunterricht.
•
Im Unterricht fällt die freie Bewegung im Raum weg.
•
Ausschlaggebend für die Änderungen war die Ausweitung der Lehrerteams auf eine durchgehende
Doppelbesetzung, weil die Klassen nicht mehr in Differenzierungsgruppen geteilt werden, um die
Durchmischung der Klassen zu vermeiden.
•
Hinzu kommt, dass zwischenzeitlich einzelne Klassen an einzelnen Tagen komplett zuhause bleiben müssen,
da aufgrund von Erkrankungen kein Lehrpersonal zur Verfügung steht und die Kinder aufgrund Corona-
Verordnung nicht auf andere Klassen verteilt werden dürfen.
•
Außerdem bei Bedarf (zu hoher Lehrermangel) klassenweise Distanzunterricht für je 1 Woche.
•
In den drei Kölner Schulen gibt es ein abgestimmtes Konzept.
•
Offiziell fällt kein Unterricht aus, aber nachmittags sind Klassen oft nur einfach besetzt. Besonders
hausfordernde Kinder werden zeitweise vom Unterricht ausgeschlossen und sind bspw. seit den Sommerferien
nur verkürzt in der Schule.