NRW, 01.07.2021
Deja vu bei ferien foerderprogrammen 2021 07 13
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
c/o Stadteltern Dortmund, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund
Mobil: 0157-36583728
Email: vorstand@lek-nrw.de
Homepage: www.lek-nrw.de
Déjà-vu bei Ferien-Förderprogrammen:
Benachteiligte Kinder schlicht wieder vergessen?
Schülerinnen und Schüler, die auf Schulbegleitung oder Schüler-Spezialverkehr angewiesen sind,
benötigen diese Unterstützung auch für die Teilnahme an Ferien-Förderprogrammen,
Ferienspaßprogrammen oder Nachhilfeangeboten.
Wieder einmal stellen wir fest, dass Kinder mit einem entsprechenden Bedarf, abermals vergessen
wurden und sich vielerorts Planungsfehler aus den vergangenen Ferien wiederholen.
Förderprogramme, die eigentlich Benachteiligungen ausgleichen sollen, verpuffen ungenutzt, weil
ausgerechnet Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung oder anderen Benachteiligungen die
Teilnahme nicht möglich ist, wenn Kommunen weder den Spezialverkehr organisieren noch die
notwendigen Begleitungen bewilligen. Nicht nur bei Schülerinnen mit Behinderungen wird die
Teilhabe erschwert, sondern auch Schülerinnen die schlicht kein Schokoticket besitzt oder im
falschen Stadtbezirk wohnen.
Schon im Vorfeld haben wir darauf hingewiesen und eine Anpassung gefordert. Aber weil sich das
Schulministerium nicht zuständig fühlt, wurden die Hilfen nicht eingeplant, sondern
Verantwortung wieder verschoben. Rechtlich durchaus richtig- aber nicht folgenlos.
Damit wurde die zweite Ping-Pong-Runde zwischen den Ministerien und den Kommunen freigegeben
und das Problem bleibt weiterhin ungelöst.
Eine weitere Barriere speziell für Kinder mit Behinderungen stellt die hohe Eigenbeteiligung von 20 %
dar, die die Träger aufbringen müssen und diese dann versuchen bei den Familien wieder einzuholen.
Nicht nur, dass das Ziel kostenfreier Beteiligung damit gefährdet ist, sondern gute Träger scheuen
sich Angebote zu eröffnen und rufen Fördermittel erst gar nicht ab. Das Förderprogramm Extrazeit
wurde leider nicht angepasst, trotz zahlreicher Hinweise einiger Träger. Statt bedarfsgerechter
Förderprogramme gibt es wieder viele, die entweder nicht erreichbar sind oder auf die Bedürfnisse
nicht eingehen können.
Abzuwarten bleibt auch, ob es dem Schulministerium diesmal gelingt, wenigstens für die
Bundesfördermittel von Beginn an den Bedarf der Schülerinnen und Schüler mit Behinderung oder
anderen Benachteiligungen einzuplanen.
Streit über Zuständigkeiten und Konnexität hätten und könnten schon im Vorfeld verhindert werden
– wenn es einen echten Bildungsgipfel zwischen den Ministerien, Kommunen, Träger und
Schulmitwirkenden geben würde. So bearbeitet jeder nur seinen Part ab, in der Hoffnung, der andere
wird es schon richten. Leider verfehlt!
Eine gute zielführende Förderung kann nur gelingen, wenn der individuelle Bedarf der Kinder im
Mittelpunkt aller Akteure steht und diese multiprofessionell zusammenwirken. Dann können
Programme mit nachweislich hoher Qualität aufgelegt werden. Dazu braucht es diese enge
Kooperation und Verstetigung der Mittel.
Dachverband der Stadt- und Kreisschulpflegschaften
c/o Stadteltern Dortmund, Knappenstr. 15, 44149 Dortmund
Mobil: 0157-36583728
Email: vorstand@lek-nrw.de
Homepage: www.lek-nrw.de
Denn auch die Kommunen müssen ihren Beitrag leisten. Sie hätten insbesondere die Fahrt-
Problematik in den Sommerferien längst beheben müssen. Eine kostenlose Nutzung des öffentlichen
Nahverkehrs in ganz NRW während der Ferienzeit, hätte für alle Schülerinnen und Schüler aus NRW
eingeführt werden müssen – egal was es gekostet hätte! Das waren, nein – das sind wir den Kindern
schuldig. Nur so können alle Kinder problemlos gute Förderprogramme nutzen, unabhängig von der
Liquidität oder Mobilität ihrer Eltern oder ihres Wohnortes.
Mit Hilfe der Beauftragten des Landes für Menschen mit Behinderung, Claudia Mittendorf (CDU),
haben wir wiederholt auf die vielen Rückmeldungen aufmerksam gemacht. Sie bestätigt uns
dankenswerterweise, dass das Thema nun doch in allen Ministerien angekommen sei und es noch in
dieser Woche gemeinsame Gespräche (mit Lösungen) geben soll. So hoffen wir, dass eine
Nachsteuerung endlich gelingt.
JA, wir sind dankbar, dass die Landesregierung und der Bund Mittel zur Förderung bereitstellt,
doch bitte- liebe Landesregierung und liebe Kommunen, sie müssen eine bedarfsgerechte
Teilnahme aller Kinder ermöglichen.
Freie Fahrt für alle in NRW, Assistenzen, wo nötig, Ferienspaß und Förderung für alle Kinder!
Vorstand LEK NRW Dortmund 13. Juli 2021