NRW, 01.04.2020

Covid erklaerung 1

Die Covid-Pandemie und die daraus resultierende weitgehende Schließung unserer Bil- dungseinrichtungen stellt alle Beteiligten, Lehrerinnen, Schülerinnen und Eltern vor eine enorme Herausforderung. Sie hat abrupt unsere normale Lebensführung unterbrochen.

Die Pandemie und die noch ungewisse Rückkehr in unser normales Leben sorgen zugleich dafür, dass sich eine starke Verunsicherung in den Bildungseinrichtungen bei allen Be- teiligten verbreitet. Wann geht es wieder los? Welche Bedingungen müssen gegeben sein, damit Gesundheit- und Infektionsschutz gegeben sind? Finden Prüfungen statt und wenn ja, wie bereiten wir uns darauf vor? Mit welchen Gruppen geht die Arbeit in den Schulen wieder los? Wie können organisatorische Herausforderungen von Schulen und Schulträgern gemeistert werden? Wie werden alle Menschen der Schulgemeinschaft, insbesondere die einer Risikogruppe angehören geschützt und beteiligt?

Diese und viele weitere Fragen zeigen, dass noch sehr viel ungeklärt und offen ist. Letztlich muss jetzt politisch entschieden und politisch verantwortet werden, wie es an den Schulen weiter geht. Wissenschaftliche Expertise muss dabei die Entscheidungsgrundlage sein.

Die Unterzeichner haben sich gemeinsam dieser Situation gestellt und fordern Klarstellung und Perspektiven von der Politik.

• Die Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts müssen handlungsleitend sein. Standards für Hygiene und Infektionsschutz müssen transparent und veröffentlicht sein sowie nachvollziehbar umgesetzt werden.

• Schulen können nur wieder öffnen, wenn Hygiene und Infektionsschutz für alle Betei- ligten gewährleistet werden. Dazu gehören aus Sicht der Unterzeichnenden mindestens die Bereitstellung von ausreichend Waschbecken, Seife und Einmalhandtücher, sowie Desinfektionsmittel und Toiletten mit entsprechender hygienischer Ausstattung. Erfor- derlich ist eine angepasste Reinigung nach entsprechenden Standards des Infektions- schutzes, Regeln für regelmäßigen Luftaustausch wenn empfohlen Schutzmasken für Beschäftigte und Schüler*innen. Hierfür brauchen Schulen Hygienekonzepte in Ab- stimmung mit Schulaufsicht und Schulträger und unter Verantwortung des lokalen Ge- sundheitsamtes. Menschen, die einer Risikogruppe angehören oder entsprechende An- gehörige haben, bedürfen eines besonderen Schutzes.

• Die Schulen sind für die Schülerinnen heute Lern- und Lebensraum. Das vordringliche Ziel muss es deshalb sein, die Schule wieder für alle Schülerinnen zu öffnen. Schü- ler*innen mit Förderbedarf und deren Familien bedürfen einer verstärkten Unter- stützung, Schulbegleitungen müssen ermöglicht werden. Die Öffnung wird nur schritt- weise möglich sein und stellt die Schulen vor große organisatorische Herausforde- rungen. Hierzu brauchen die Schulen und die Eltern schnellstmöglich konkrete Vorgaben und Hinweise. Der stufenweise Einstieg muss für alle Beteiligten leistbar sein.

• Um die oben genannten Bedingungen zu erfüllen, brauchen die Schulen und die Schul- träger Zeit. Es ist unabdingbar, dass sie mindestens eine volle Woche (7 Tage) vorher erfahren, wie und wann der Schulbetrieb wiederbeginnen soll. Schulträger müssen die hygienischen Standards herstellen können und beispielsweise den Reinigungsbetrieb verändern, den Schulwegeverkehr wieder aufnehmen und an veränderte Unterrichts- zeiten und Hygienestandards anpassen. Schulen müssen beispielsweise Laufwege über- legen und kennzeichnen, Unterricht und Betreuung organisieren.

Deutscher Gewerkschaftsbund Nordrhein-Westfalen

Landeselternschaft der integrierten Schulen NRW

Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule NRW

Gemeinsam Leben,
Gemeinsam Lernen NRW e.V.

Der Grundschulverband NRW

Elternnetzwerk NRW Integration miteinander

Progressiver Eltern- und Erzieherverband NRW

Landeselternkonferenz NRW

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW

Lernen aus Corona – Keine vorschnelle Wiedereröffnung der Schulen

Hygienische Standards herstellen – Chancengungleichheit nicht verstärken – Zentrale Prüfungen aussetzen

• Der schrittweise Wiedereinstieg in den Schul- und Unterrichtsbetrieb stellt eine enorme Kraftanstrengung für die Schulen dar. Zentrale Prüfungen sind schon parallel zum re- gulären Schulbetrieb eine Herausforderung, die regelmäßig mit Unterrichtsausfall und besonderer Belastung der Lehrkräfte verbunden ist. Aus unserer Sicht kann es im Schul- jahr 2019/20 keine Prüfungen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen mehr geben (z.B. ZP 10 und Abitur). Schüler*innen können sich nach wie vor nur sehr unterschiedlich auf die Prüfungen vorbereiten. Eine Durchführung der Prüfungen bei laufendem Unterricht ist nicht realisierbar. Der Aufwand für dezentrale Prüfungen ist weder leistbar noch verhältnismäßig. Eine weitere Verschiebung der Prüfungen ist keine Option. Die bundesweite Anerkennung des jeweiligen Abschlusses ohne Prüfungen ist zwingend notwendig.

• Unabhängig von zentralen Prüfungen dürfen Schüler*innen insgesamt als Folge der Co- rona-Pandemie keinerlei Nachteile entstehen. Schullaufbahnen müssen gesichert wer- den.

• In der Zeit der Schließung der Schulen sind die ungleichen Bildungschancen für Kinder und Jugendliche extrem deutlich zu Tage getreten und verstärkt worden. Kinder und Ju- gendliche, die kein eigenes digitales Endgerät, zuhause keine lernförderlichen Strukturen vorfinden, die sich ein Zimmer mit mehreren Geschwistern teilen, deren Familien- sprache nicht Deutsch ist, deren Familien Existenzängste haben oder Kinder mit son- derpädagogischen Unterstützungsbedarf haben eben nicht die gleichen Bildungschancen wie andere.

• Die Coronakrise lässt gesellschaftliche Missstände deutlich in den Blick treten. Es ist Auf- gabe der Landesregierung und der Schulträger schnell gezielte und umfassende Maß- nahmen zu ergreifen. Darum müssen Schulen, die besondere Bedarfe haben, vorrangig unterstützt werden. Bei Schüler*innen und allen Beschäftigten fehlen dienstliche Endge- räte und Kommunikationsplattformen zum rechtssicheren Austausch untereinander. Schulen fehlen die entsprechenden Konzepte. Hier muss dringend nachgerüstet werden.

Deutscher Gewerkschaftsbund

Elternnetzwerk NRW Nordrhein-Westfalen

Integration miteinander

Landeselternschaft

Progressiver der integrierten Schulen NRW

Eltern- und Erzieherverband NRW

Gemeinnützige

Landeselternkonferenz
Gesellschaft Gesamtschule NRW
Nordrhein-Westfalen

Gemeinsam Leben,

Gewerkschaft Gemeinsam Lernen NRW e.V.

Erziehung und Wissenschaft NRW

Der Grundschulverband
Landesgruppe NRW