Sankt Augustin, 28.01.2026
Stellungnahme der Landeselternkonferenz zu den neuen 37 Kernlehrplänen im Rahmen der neuen APO-GOSt
Sehr geehrte Frau Ministerin Feller,
sehr geehrter Herr Dr. Mauer,
sehr geehrte Damen und Herren,
die Landeselternkonferenz NRW bedankt sich für die Möglichkeit, zu den 37 überarbeiteten Kernlehrplänen (KLP) der gymnasialen Oberstufe Stellung zu nehmen. Wir begrüßen die grundsätzliche Modernisierung und die stärkere Kompetenzorientierung der neuen Lehrpläne, sehen jedoch an mehreren Stellen deutlichen Nachbesserungsbedarf, um Bildungsgerechtigkeit, Transparenz und Umsetzbarkeit an allen Schulformen sicherzustellen.
Allgemeine Einschätzung
Die LEK-NRW erkennt an, dass die neuen KLP den Versuch darstellen, fachliche Tiefe und überfachliche Kompetenzen besser zu verzahnen. Positiv hervorzuheben sind die klareren Kompetenzbeschreibungen, die stärkere Betonung selbstständigen Lernens sowie die Öffnung für fächerübergreifende Arbeitsformen.
Gleichzeitig weisen die KLP weiterhin eine starke Fachzentrierung auf, die der zunehmenden Bedeutung interdisziplinärer Kompetenzen – insbesondere Projektarbeit, Präsentation, digitale Kollaboration und wissenschaftspropädeutisches Arbeiten – nicht ausreichend Rechnung trägt.
Hauptkritikpunkte und Vorschläge
Eigenständiger KLP für den Projektkurs
Anstelle von Anpassungen aller 37 KLP für das fünfte Prüfungsfach fordert die LEK-NRW einen separaten, fachunabhängigen Kernlehrplan „Projektkurs“. Kernkompetenzen wie Planung, Teamarbeit, Ergebnispräsentation und Reflexion sind fachübergreifend und dürfen nicht von einzelnen Fachinhalten dominiert werden.
Damit dieser KLP von allen Lehrern auch berücksichtigt wird, kann man in den anderen 37 KLP eine Verbindung zum KLP Projektkurs herstellen, dass dieser stets auch gilt.
Stärkere Gewichtung überfachlicher Kompetenzen
Kompetenzen wie Lernstrategien, Selbststeuerung und Kommunikationsfähigkeit sollten in allen Fächern systematisch ausgebaut und verbindlich geprüft werden. Hierzu empfehlen wir einen gemeinsamen Kompetenzrahmen als Orientierung für alle KLP.
Vergleichbare Bewertungsmaßstäbe
Zwischen den Fächern bestehen weiterhin deutliche Unterschiede bei der Gewichtung von Prozessorientierung, Präsentationsleistung oder kreativen Arbeitsformen. Die LEK-NRW regt an, landesweite Mindeststandards zur Bewertungslogik zu definieren, um Fairness und Transparenz zu sichern.
Praxisbezug und Lebensweltorientierung
Viele Fächer vernachlässigen kontextbasierte Lernanwendungen (z. B. aktuelle gesellschaftliche oder ökologische Fragestellungen). Wir fordern eine konsequentere Ausrichtung an realen Problemstellungen, um den Lerntransfer zu stärken.
Inklusion und individuelle Förderung
In sämtlichen KLP muss klar erkennbar sein, wie Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen individuell unterstützt werden. Differenzierungsangebote und Wahlmöglichkeiten sollten verpflichtend beschrieben werden, nicht optional.
Digitale Bildung als Querschnittsaufgabe
Digitale Kompetenzen dürfen nicht nur in Informatik, sondern auch in den Sprach-, Gesellschafts- und Naturwissenschaften fest verankert werden. Lehrpläne sollten hierfür konkrete Lernprodukte und Medienstrategien benennen.
Zusammenfassung
Die LEK-NRW unterstützt die Aktualisierung der 37 Kernlehrpläne grundsätzlich, fordert jedoch:
- einen eigenständigen, kompetenzorientierten Projektkurs-KLP,
- verbindliche Maßstäbe für Bewertung und Kompetenzentwicklung,
- stärkere Berücksichtigung digitaler, sozialer und projektorientierter Lernformen, und
- eine konsequente Umsetzung individueller Förderung.
Wir bitten das Ministerium, diese Punkte in der weiteren Abstimmung zu berücksichtigen, um die Lehrpläne zukunftsfähig, gerecht und pädagogisch wirksam zu gestalten.
Hinrich Pich
Landeselternkonferenz NRW