Sankt Augustin, 25.09.2025
Stellungnahme der Landeselternkonferenz zu den Regelungsentwürfen der Lehrkräfteausbildung
Sehr geehrte Frau Ministerin Feller,
sehr geehrter Herr Dr. Mauer,
sehr geehrte Damen und Herren,
die Landeselternkonferenz vertritt die Interessen aller Eltern schulpflichtiger Kinder im Land. In dieser Rolle möchten wir zu den vorgelegten Entwürfen zur Lehrkräfteausbildung Stellung nehmen. Uns ist es wichtig, die Perspektive der Familien einzubringen, denn eine gute Ausbildung von Lehrkräften prägt langfristig die Qualität unserer Schulen und damit die Bildungschancen unserer Kinder.
Leider müssen wir vorweg betonen: Die Arbeit an dieser Stellungnahme war für uns als ehrenamtlich tätige Vertreterinnen und Vertreter unnötig erschwert. Eine Synopse, die alte und neue Regelungen direkt vergleichbar gemacht hätte, stand uns nicht zur Verfügung. Ein solches Dokument hätte viel Zeit und Mühe gespart. Wir wünschen uns künftig mehr Transparenz und Unterstützung, um unsere Aufgabe verlässlich und konstruktiv erfüllen zu können.
Akkreditierung von Studiengängen
Die geplanten Anpassungen beim Lehramt für sonderpädagogische Förderung halten wir grundsätzlich für sinnvoll. Wenn sich Studierende nur auf ein zusätzliches Unterrichtsfach konzentrieren, bleibt mehr Raum, um sich intensiv mit sonderpädagogischen Fragen auseinanderzusetzen. Das ist wichtig, denn gerade hier besteht ein großer Bedarf.
Wir möchten aber auch den Gedanken einbringen, das Ganze stärker mit den Bedarfen an den Schulen zu verzahnen. Zum Beispiel wäre es denkbar, dass Studierende, die ein ohnehin stark überlaufenes Fach wie Deutsch wählen, verpflichtend auch eine sonderpädagogische Fachrichtung belegen. So könnte der Mangel an Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen gezielt abgefedert werden. Gleichzeitig könnten dadurch auch Anreize entstehen, vermehrt Mangelfächer wie Technik, Sport, Kunst oder Biologie zu studieren.
Praxiselemente
Sehr positiv sehen wir die Ausweitung des Eignungs- und Orientierungspraktikums von 25 auf 30 Tage. Aber wir fragen uns, ob fünf Tage mehr wirklich ausreichen. Der Weg vom Studierenden zum Lehrenden ist lang, und oft merken Lehramtsanwärter erst sehr spät, dass der Beruf doch nicht passt.
Wir schlagen daher vor, Praxiselemente regelmäßig in das Studium einzubauen, zum Beispiel schon ab dem dritten Semester. Lehramtsanwärterinnen und -anwärter könnten Kinder oder Jugendliche im Förderunterricht (beispielsweise bei Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie) einmal pro Woche in kleinen Gruppen begleiten. Das hätte gleich mehrere Vorteile: Die Studierenden sammeln wertvolle Erfahrungen, es stärkt ihr Selbstvertrauen, und gleichzeitig würden die Kinder Unterstützung bekommen, die sie dringend benötigen. Auf diese Weise bliebe die Praxis dauerhaft präsent und könnte das Berufsbild realistischer vermitteln.
Schlussgedanke
Die Landeselternkonferenz erkennt in den Entwürfen mehrere gute Ansätze, besonders mit Blick auf die Sonderpädagogik und mehr Praxis im Studium. Gleichzeitig wünschen wir uns mehr Mut zu Veränderungen bei der Beschäftigungsform im Vorbereitungsdienst und eine bessere Verzahnung mit den tatsächlichen Bedarfen in den Schulen.
Vor allem appellieren wir an die Verantwortlichen, künftige Verfahren transparenter zu gestalten und den beteiligten Verbänden klare Vergleichsdokumente zur Verfügung zu stellen. Nur so können wir Elternvertretungen wirklich mitarbeiten – im Sinne unserer Kinder und des gesamten Schulsystems.
Abschließend möchten wir betonen, dass wir allen übrigen Vorschlägen zustimmen und diese daher nicht gesondert aufführen.
Mit freundlichen Grüßen
Hinrich Pich
Vorsitzender