Sankt Augustin, 29.01.2026
Erinnern heißt Verantwortung – Schulen müssen Orte der Vielfalt bleiben
Im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert die Landeselternkonferenz Nordrhein-Westfalen heute – und jeden Tag – an die Verantwortung aller für eine demokratische, vielfältige und menschenwürdige Gesellschaft.
Die Verbrechen des Nationalsozialismus begannen nicht mit Lagern und Mord, sondern mit Worten, mit Ausgrenzung und mit der systematischen Abwertung von Menschen. Sie begannen dort, wo Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Identität oder ihrer Lebensweise zu „Anderen“ erklärt wurden – und wo zu viele geschwiegen haben.
Auch heute erleben wir antisemitische Vorfälle, rassistische Hetze und die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen, von Geflüchteten, von queeren Jugendlichen sowie von anderen gesellschaftlichen Randgruppen. Diese Entwicklungen sind real – auch in unserem Alltag – und dürfen weder relativiert noch hingenommen werden. Sie stehen im klaren Widerspruch zu den Lehren aus der Geschichte.
Die Landeselternkonferenz Nordrhein-Westfalen durfte beim Gedenken des Landes Nordrhein-Westfalen an die Opfer des Nationalsozialismus teilnehmen. Vorgestellt wurde dabei die Ausstellung Holo Voices, die uns nachhaltig beeindruckt hat, wie Hinrich Pich, Vorsitzender der Landeselternkonferenz Nordrhein-Westfalen, betonte. Die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, direkt mit den Hologrammen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu sprechen und KI-gestützte Antworten zu erhalten, schafft einen tiefgehenden und bleibenden Zugang zur Geschichte. Daher empfiehlt die Landeselternkonferenz Nordrhein-Westfalen allen Schulen, diese kostenfreie Ausstellung zu besuchen – damit Erinnerung lebendig bleibt und kein Vergessen möglich wird.
Schulen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie sind nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern Orte gesellschaftlicher Verantwortung. Schulleben bedeutet, Gemeinschaft zu leben – eine Gemeinschaft, in der jeder Mensch willkommen ist. Schulen sind Orte der Vielfalt, und sie müssen es bewusst, geschützt und sichtbar bleiben. Hier entscheidet sich täglich, ob Demokratie, Respekt und Menschenwürde gelebt oder verletzt werden.
„Erinnern heißt handeln“, erklärt Andreas Albrecht, stellvertretender Vorsitzender der Landeselternkonferenz NRW. „Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit sind keine Probleme der Vergangenheit. Sie begegnen uns auch heute. Schulen dürfen hier nicht neutral sein. Sie müssen klare Haltung zeigen und sichere Räume für alle Kinder und Jugendlichen sein.“
Erinnerungskultur ist keine Aufgabe einzelner Gedenktage und nicht allein Sache des Geschichtsunterrichts. Sie ist eine gemeinsame Verantwortung der gesamten Schulgemeinschaft – von Schülerinnen und Schülern über Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulsozialarbeit bis hin zu allen, die Schule täglich mitgestalten. Die Landeselternkonferenz NRW richtet sich ausdrücklich an Schülerinnen und Schüler sowie an die gesamte Schulgemeinschaft: Schule ist mehr als Unterricht. Sie ist ein gemeinsamer Lebensraum, in dem ein friedliches, respektvolles Miteinander täglich neu gestaltet wird.
Was in der Zeit des Nationalsozialismus geschah, zeigt, was passieren kann, wenn Menschen ausgegrenzt werden, wenn Gemeinschaft zerbricht und wenn Wegsehen zur Normalität wird. Auch wenn sich Unrecht heute nicht in derselben brutalen Form zeigt, führen Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass auch heute zu Angst, seelischen Verletzungen und tiefem Leid. Kein Mensch verdient es, sich in der Schule unsicher, ausgeschlossen oder herabgewürdigt zu fühlen.
Erinnerung verpflichtet uns deshalb zum Zusammenhalt. Nur wenn wir als Schulgemeinschaft füreinander einstehen, Unterschiede respektieren und einander schützen, können wir verhindern, dass sich Ausgrenzung verfestigt und Geschichte sich in anderer Form wiederholt. Schule muss ein Ort des Friedens, der Zugehörigkeit und der Menschlichkeit sein – für alle.
Der gesamte Vorstand der LEK-NRW